Von Badufried zu Kevin

Wie Vornamen unser Leben prägen und welche für Kinder ungeeignet sind, erklärt Gabriele Rodriguez in ihrem Buch „Namen machen Leute“.

Von Badufried zu Kevin

Vornamen prägen unser Leben – „nomen est omen“

William Shakespeare und Johann Wolfgang Goethe lagen falsch: Namen sind nicht nur „Schall und Rauch“. Sie prägen unser Leben. So wählt etwa ein Arbeitgeber im Falle zweier identischer Lebensläufe lieber den Bewerber namens Alexander statt Kevin. Die Gründe dafür erläutert Gabriele Rodríguez von der Namenberatungsstelle an der Universität Leipzig.

In ihrem Buch Namen machen Leute zeichnet die Fachfrau das Phänomen des „Kevinismus“ nach und erklärt, wie es mit dem Erfolg des Hollywoodstreifens Kevin – allein zu Haus (1990) begann. Stark vereinfacht, aber unterhaltsam skizziert die Verfasserin, wie der Vorname mit Vorurteilen und Stereotypen aufgeladen wurde. „Während die einen sich längst lustig machen über den Kevin und die Chantal, kommt das in den bildungsferneren Schichten zunächst gar nicht an“, schreibt die Autorin. „Sie haben wenig Kontakt mit denen, die sich über sie lustig machen, sie lesen nicht diese Zeitungen und sehen auch nicht deren Fernsehprogramm.“

Alter und Bildung beeinflussen Namenswahl

Soziologisch orientiert sind auch andere Teile des Buches. Rodríguez hält fest, wie demografische Elemente die Namengebung eines Kindes beeinflussen: „In meiner Beratungstätigkeit habe ich bemerkt, dass die Mütter sich oft mehr Gedanken über den zukünftigen Namen für das Kind machen. Auch das Alter der Eltern und der Bildungsstand haben Einfluss auf die Namengebung. Gebildete Eltern greifen eher zu traditionellen Vornamen. Junge Eltern geben eher neue und ausgefallene Vornamen.“

Doch in Namen machen Leute geht es nicht nur um die soziokulturelle Aufladung von Vornamen. Rodríguez bietet einen vielseitigen Zugang zur Onomastik (Namenforschung), indem sie auch die Geschichte der Namengebung nachzeichnet. So findet der Leser heraus, dass beliebte germanische Namen (wie Gangolf, Hartrud und Badufried) infolge der Christianisierung ihren Stellenwert verloren. Bei der Reise durch die Geschichte erfährt der Leser auch Überraschendes. Etwa dass Hans, ein vermeintlich urdeutscher Name, von Johann oder Johannes stammt. „Und das ist ein biblischer Name, der aus dem Hebräischen kommt“, informiert die Autorin.

Lieber gängige Vornamen wählen

Detaillierte und unterhaltsame Antworten bietet die Autorin auch auf die Frage, wie sich die Namengebung in den letzten Jahren entwickelt hat: „Die Eltern wollen etwas Einzigartiges und Außergewöhnliches finden“, so die Expertin – fügt jedoch gleich hinzu: „Die Kinder aber, und das bedenken leider viele Eltern nicht, empfinden anders. Sie wollen sowohl im Kindergarten als auch in der Schule eigentlich so sein wie die anderen.“

Die Autorin erinnert eindringlich, dass das Wohl des Kindes erste Priorität haben sollte. Dieses sei das wichtigste Kriterium, wenn die Leipziger Namenberatungsstelle einen Namen genehmigen soll.

Dadurch, dass die Autorin in ihrem Buch unzählige historische, soziologische und kulturelle Fakten sowie Beobachtungen vermischt, wirkt es bisweilen wie ein wahlloses Potpourri. Um das zu verhindern, wäre eine bessere Strukturierung hilfreich gewesen. Dennoch ist Rodríguez’ Buch lesenswerte Lektüre, die den Leser auf eine neue Weise mit seinem lebenslangen Begleiter in Berührung bringt.

Gabriele Rodríguez: Namen machen Leute. Wie Vornamen unser Leben beeinflussen. Komplett-Media, München/Grünwald 2017, 248 S., € 19,99

Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 1/2018: Das erlaube ich mir!
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