Die Stärke der Stillen

Introvertierte Menschen standen lange im Schatten. Zunehmend aber entdecken die Stillen ihre Stärken und entwickeln ein neues Selbstbewusstsein.

© Mario Wagner

Die Stärke der Stillen

Sie brauchen keine Partys, ein gutes Buch ist ihnen lieber. Sie reden wenig und verbringen gerne Zeit allein. Introvertierte standen lange im Schatten der geselligen Extravertierten und zweifelten oft, ob mit ihnen etwas nicht stimmt. Zunehmend aber entdecken die Stillen ihre Stärken und entwickeln ein neues Selbstbewusstsein

Viele Jahre hielt Tanja Bartos (Name geändert) sich selbst für wenig belastbar. Sobald sich die 42-Jährige auf Feiern oder Tagungen in großen Gruppen aufhielt, fühlte sie sich nach kurzer Zeit müde und überfordert. Außerdem redete sie dort, wie auch sonst, nicht viel, es fiel ihr schwer, mit Fremden in Kontakt zu kommen. Und als die Architektin zu Beginn ihres Berufslebens zunächst in einem Großraumbüro landete, konnte sie sich nur mit großer Mühe konzentrieren. „Dass ich mich dort kaum arbeitsfähig fühlte, hat mich sehr beschäftigt“, erzählt Bartos im Nachhinein. „Ich fragte damals zum ersten Mal ernsthaft: Was ist eigentlich mit mir los?“ Sie begann, Bücher über Schüchternheit und Sensibilität zu lesen, suchte nach Antworten. Heute, mehrere Jahre später, weiß sie, dass sie introvertiert ist. Eine stille Person, eine, die lieber nachdenkt als redet und nicht gern mit vielen Menschen gleichzeitig zu tun hat. Am liebsten verbringt sie viel Zeit allein.

Menschen wie Tanja Bartos halten sich oft für seltsam oder „nicht richtig“. Das ist kein Wunder, denn bis vor wenigen Jahren galten die Eigenschaften stiller Zeitgenossen oft als Schwäche, Schüchternheit oder Empfindlichkeit. In einer Gesellschaft, die Extraversion, die Fähigkeit zur...

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Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 2/2018: Die Stärke der Stillen
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