Von der Parallelwelt zurück ins Leben

Sie vernachlässigen Freunde, Hobbys, Schule und gehen oft kaum noch aus dem Haus: Exzessives Computerspielen kann bei Jugendlichen zu einer Suchterkrankung führen. Wie finden sie ­zurück ins reale Leben? Ein Besuch im Therapiezentrum Auxilium Reloaded

Von der Parallelwelt zurück ins Leben

Sie vernachlässigen Freunde, Hobbys, Schule und gehen oft kaum noch aus dem Haus: Exzessives Computerspielen kann bei Jugendlichen zu einer Suchterkrankung führen. Wie finden sie ­zurück ins reale Leben? Ein Besuch im Therapiezentrum Auxilium Reloaded

Der Nahverkehrszug vom Dortmunder Hauptbahnhof ist gut eine halbe Stunde unterwegs. Die Bebauung wird dünner, Wiesen und Felder ziehen vorbei. Für die letzten zwei Kilometer nehme ich den Bus. Er hält vor einem apfelsinenfarbenen Haus, das trotz des Nieselregens leuchtet: Ich bin bei Auxilium Reloaded, einer therapeutischen Facheinrichtung für Jugendliche und junge Erwachsene mit riskantem Medienkonsum, so die offizielle Bezeichnung. Hier, im Dortmunder Vorort Aplerbeck, befindet sich die bisher einzige Wohngruppe dieser Art in Deutschland.

Ich bin mit dem Psychotherapeuten Magnus Hofmann und dem Sozialpädagogen Patrick Portmann, dem Leiter der Einrichtung, verabredet. Portmann erzählt, wie alles begann: „Wir sind im Oktober 2014 mit der ersten Wohngruppe an den Start gegangen. Jetzt haben wir hier zwei Wohngruppen, nach Alter aufgeteilt. Es sind insgesamt 14 Plätze.“ Die Bewohner sind 14 bis 21 Jahre alt und kommen aus der ganzen Bundesrepublik hierher. Sie bleiben 12 bis 24 Monate, lassen mit dem Umzug nicht nur das exzessive Onlinesein hinter sich, sondern richten ihr Leben ganz neu aus: Sie suchen eine Schule, einen Praktikums- oder Ausbildungsplatz, üben, im realen Leben wieder zu Hause zu sein.

Den Drang, online zu sein, kennen viele junge Menschen. Die Medienpsychologin Isabel Willemse nennt in ihrem Buch Onlinesucht die Ergebnisse einer Studie aus dem Jahre 2013. Für die Forschung wurden Jugendliche zwischen 14 und 17 Jahren aus sieben europäischen Ländern befragt. Danach leiden...

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Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 11/2016: Sieh's doch mal so!
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