„Die Leere gibt uns einen freien Blick auf die Welt“

Ein Gespräch mit Niels Birbaumer über den wunderbaren Zustand, wenn das Gehirn auf Durchzug schaltet

„Die Leere gibt uns einen freien Blick auf die Welt“

Ein Gespräch mit Niels Birbaumer über den wunderbaren Zustand, wenn das Gehirn auf Durchzug schaltet

Niels Birbaumer neigt zum Selbstversuch – und zu gewissen Extremen. Der Biopsychologe von der Universität Tübingen hat sich, immerhin unter Aufsicht eines Narkosemediziners, das Pfeilgift Kurare spritzen lassen, um eine Lähmung am eigenen Leib zu spüren – und eine „sofortige Muskelentspannung“ bemerkt, „gegen die man sich nicht wehren kann“. Er ist mit einem Fallschirm gesprungen und hat eine „vollständige Leere“ gefühlt, wie er sagt. Diese Erfahrung faszinierte den gebürtigen Österreicher so sehr, dass er ein Buch darüber geschrieben hat, um mehr Menschen zur Leere zu bekehren.

Herr Birbaumer, was ist für den Durchschnittsbürger der größte Feind der Leere?

Das Effektgehirn. Im üblichen Modus unseres Gehirns ist alles auf Ziele ausgerichtet. Wir haben Wünsche, wir wollen etwas erreichen. Immer. Fast alle unsere Gedanken sind darauf ausgerichtet. Das zielgerichtete, willensbetonte Effektgehirn sichert zwar auf der einen Seite unser Überleben. Aber gerade in der schnellen Welt unseres Jahrhunderts, in dem wir ständig etwas nachlaufen, ist dieser andere Modus unseres Gehirns, die Leere, fast völlig unter die Räder gekommen. Das senkt unsere Lebensqualität. Wir fühlen uns schlechter, weil wir zu viel wollen und vieles von dem, was wir uns wünschen, sich nic

ht erfüllt. Wer dagegen öfter Leere erlebt, ist zufriedener. Denn Leere gibt uns einen freien Blick auf die Welt. So lautet meine Hypothese, die man wissenschaftlich belegen muss.

Dabei wissen Sie noch nicht einmal genau, was Leere ist, oder?

Ja, wir hüten uns noch vor einer Definition und...

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Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 11/2016: Sieh's doch mal so!
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