Die Harmonie-Lüge

Ein konfliktfreies Leben – wer möchte das nicht? Kein Streit, kein Misston zwischen uns und den anderen, keine Auseinandersetzungen in der Familie oder am Arbeitsplatz. Doch fürs eigene Seelenheil ist es manchmal besser, auf Friede, Freude, Eierkuchen zu verzichten

Die Harmonie-Lüge

Ein konfliktfreies Leben – wer möchte das nicht? Kein Streit, kein Misston zwischen uns und den anderen, keine Auseinandersetzungen in der Familie oder am Arbeitsplatz. Doch fürs eigene Seelenheil ist es manchmal besser, auf Friede, Freude, Eierkuchen zu verzichten

So viel Harmoniestreben wie heute war selten. Es scheint, je unsicherer das Leben in einer krisengeschüttelten Welt wird, desto größer wird die Sehnsucht nach Konfliktfreiheit. Davon zeugen Zeitschriften wie Flow, Happinez, Emotion oder My Harmony, die rundum für ungetrübtes Wohlbefinden sorgen wollen. Hinzu kommen Teemischungen, Badeessenzen, dazu regalweise Ratgeber, die uns zeigen, wie Harmonie gelingt. Yin und Yang – der harmonische Einklang gegensätzlicher Prinzipien: Kein Symbol der fernöstlichen Lebensphilosophie hat heute eine derartige Konjunktur, ob als Clublogo oder als Tattoo. In Seminaren, Workshops, selbst beim Sonntagsspaziergang: Wir werden zu Gleichklang und Balance angehalten, überall und zu jeder Zeit. Das Ziel ist, „zu schwingen“: mit dem Partner, den Freunden, den Mitmenschen, mit der Natur. Eintracht ist der Imperativ unserer Zeit.

Was versprechen sich Menschen vom living in perfect harmony? Ist Harmonie bloß ein angenehmer und erprobter Weg, sich inmitten der anderen frei bewegen zu können, aber dabei gleichzeitig vor den Verletzungen geschützt zu sein, die diese einem jederzeit zufügen könnten? Nichts weiter als ein wechselseitiger Nichtangriffspakt also? Oder geht es uns um große Emotionen, um das Hochgefühl, das ein einhelliges Miteinander in tiefer Übereinstimmung auslösen kann? Wie beim Hüttenzauber nach dem Skifahren in den Bergen, wenn man dicht gedrängt um den großen Holztisch beim Kamin sitzt.

Um des lieben Friedens willen

Ja, sich dazugehörig fühlen kann wohlig und schön sein. Doch interessanterweise streben wir auch dann nach Harmonie, wenn sich dieser wohltuende Effekt gar nicht einstellt. Wir wollen in ganz vielen Lebenssituationen mit anderen harmonisch sein, ohne...

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Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 8/2016: Die Harmonie-Lüge
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