Jenseits der Eindeutigkeit

Jugendliche und Gendertheoretiker rütteln an einer Gewissheit: Dass jemand entweder ein Mann ist oder eine Frau. Was sagt die Psychologie dazu?

Ein androgyn aussehender Jugendlicher schaut unsicher in den Spiegel
Marilyn Roxie sieht sich als genderqueer, nicht ins klassische Mann-Frau-Schema passend. © Chloe Aftel

Die erste Frage lautet häufig: Junge oder Mädchen? Von all den Dingen, die wir bei der Geburt eines Kindes fragen könnten – Klein oder groß? Lebhaft oder ruhig? Wie schön? –, entscheiden wir uns für sie, weil uns die Antwort als das Aussagekräftigste erscheint. Kaum jemand weiß, wann er sich das erste Mal als Junge, sie sich als Mädchen fühlte. Und warum. War es ein Blick zwischen die Beine? Eine Erklärung der Eltern? Das Pronomen „er“ oder „sie“? Vielen erscheint die Sache derart klar, dass sie schon die Frage, warum sie sich mit dem einen oder dem anderen Geschlecht identifizieren, erstaunt.

Eine kleine, aber wachsende Gruppe, die damit kämpft, sich in klassische Frau-Mann-Schemata einzuordnen, hat unser Verständnis von Geschlecht erweitert. Insbesondere in Großstädten will sich ein Teil des jungen gebildeten Milieus nicht mehr für ein Geschlecht entscheiden. Sie sehen sich als nichtbinär an, das heißt, sie identifizieren sich mit keinem Geschlecht, mit beiden Geschlechtern oder einem dritten. Eines ihrer Vorbilder ist Ruby Rose, australische Schauspielerin und Model. Rose, die als genderfluid gilt, erklärte es einmal so: Sie erwache jeden Morgen „geschlechtsneutral“. Als biologische Frau, die mit „sie“ angesprochen werden will, stylt Rose sich oft auf eine Art, wie man sie eher von Männern kennt: Kurzhaarfrisur, Tattoos, Skaterklamotten. Auf manchen Preisverleihungen erscheint sie im Anzug – auf anderen im Abendkleid. Teenager tun es ihr nach.

Bei einer Umfrage unter eintausend US-Amerikanern zwischen 18 und 34 Jahren stimmte die Hälfte dem Satz zu: „Geschlecht ist ein Spektrum, und einige Menschen fallen aus den klassischen Kategorien heraus.“ Von New York bis San Francisco suchen Teenager Rat in Jugendkliniken, weil sie sich für...

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