Ganz natürlich

Was wir natürlich finden, hat mit tatsächlicher Natur nur zum Teil zu tun, ergab eine Befragung von 1400 britischen Parkbesuchern.

Grünflächen, Blumen, Büsche, Sträucher, Bäume – die Natur in Städten hilft uns, uns zu erholen, zu beruhigen und zu entspannen. Allerdings heißt das nicht, dass wir sie auch im gleichen Maß als „natürlich“ wahrnehmen. Eine Befragung von 1400 britischen Parkbesuchern zeigte jetzt: Was ihnen natürlich erschien, hatte nur zum Teil mit tatsächlicher Natur zu tun.

Die Forscher teilten zunächst 31 Grünanlagen und Parks danach ein, wie stark sie gestaltet und nach ästhetischen Kriterien bepflanzt waren oder ob dort viel Wildwuchs herrschte. Anschließend befragten sie die Parkbesucher. Es zeigte sich: Grünanlagen mit einer größeren Artenvielfalt, die in einem mittleren Ausmaß designt und strukturiert waren, sahen die Teilnehmer als die natürlichsten an. Und die Parkbesucher fanden das von ihnen bevorzugte mittlere Ausmaß an Gestaltung nicht nur am natürlichsten, sondern auch am erholsamsten.

Attraktiv und ästhetisch

Während sie zwischen mittelstark gestalteten und wild wachsenden, also noch natürlicheren Bepflanzungen nur einen geringen Unterschied machten, empfanden sie ganz augenfällig architektonisch angelegte Gärten als unnatürlich. Bei der Einschätzung der Natürlichkeit spielte außerdem die Ästhetik eine wichtige Rolle. Gefielen ihnen die Farben und fanden sie einen Park insgesamt attraktiv, hielten die Befragten ihn auch für natürlicher.

Höher gebildete Befragte stuften die Natürlichkeit der Parks als geringer ein. Womöglich weil ihnen klar war, dass in allen Parks Landschaftsarchitekten und Gärtner zwangsläufig in die Natur eingriffen, schreiben die Wissenschaftler. Etwa 23 Prozent der britischen Befragten bezeichneten sich als sehr naturverbunden und sie nahmen die Parks, die sie besucht hatten, als noch natürlicher wahr als die übrigen Teilnehmer.

Frauen erlebten die Parks und Grünanlagen insgesamt als natürlicher als Männer. Die Wissenschaftler verweisen in dem Zusammenhang auf andere Studien, wonach Männer Parks und Grünanlagen generell weniger wertschätzen als Frauen. Dies könnte daran liegen, dass Männer ein stärkeres Bedürfnis als Frauen haben, die Natur zu kontrollieren, vermuten die Forscher.

Helen Hoyle u. a.: What determines how we see nature? Perceptions of naturalness in designed urban green spaces. People and Nature, 1/2, 2019. DOI: 10.1002/pan3.19

Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 8/2019: Paare im Stress
print

News

Beziehung
Bei der Partnerwahl sind wir berechenbarer, als wir glauben – mit einer Ausnahme
Leben
Menschen denken sehr unterschiedlich über das Träumen. Doch kaum jemand steht Träumen gleichgültig gegenüber.
Gesundheit
Ob die Integration von Geflüchteten gelingt, hängt auch vom seelischen Zustand der Betreffenden ab.