Kairos: Bereit für den günstigen Moment

Kairos, der Gott des richtigen Augenblicks, steht für die Chance, die man ergreift, bevor sie vorbeigezogen ist. Fünf Fertigkeiten, die dabei helfen.

Die Illustration zeigt Kairos, Sohn des Zeus, der in der griechischen Mythologie der Gott des richtigen Augenblicks ist und gerade eine Chance ergreift
Sogenannte Kairosmomente sind unverzichtbare Herausforderungen und zugleich Chancen. © Eva Revolver

Im Alter von 15 Jahren hatte die Philosophin Natalie Knapp ein Erlebnis, das ihre Wahrnehmung der Welt für immer verändern sollte. Sie saß im Musikunterricht, als der Lehrer, wie er es gerne tat, einen Mitschüler vorführen und maßregeln wollte. Dieses Mal war sie zu sehr empört, um zu schweigen. Sie meldete sich und intervenierte. Der Lehrer schaute sie an und sagte: „Und Sie halten jetzt den Mund! Ihre Frechheit ist ja an der ganzen Schule bekannt.“

Ein Schock. „Ich bin aus allen Wolken gefallen. Ich hatte mich bis dahin nie als frech empfunden. Ich wäre gar nicht auf die Idee gekommen, mich so zu nennen“, erinnert sie sich. „Da hat sich etwas in mir getrennt.“ In diesem Moment verstand das Mädchen, dass die Wahrnehmung der Menschen um sie herum eine andere war als ihre eigene. „Ich wusste, dass ich mich entscheiden muss, welche Wahrnehmung mir wichtiger ist. Das hat mich in eine schwere Krise gestürzt. Einige Zeit später habe ich die Schule gewechselt. Und ich habe mich entschieden, meine Wahrnehmung und meine Werte wichtiger zu nehmen als die der anderen. Das war eine Grundsatzentscheidung für mein Leben.“

Die Philosophin nennt dieses Aha-Erlebnis der Erkenntnis einen „Kairosmoment“.

Kairos ist in der griechischen Mythologie der Gott des richtigen Augenblicks. Die wenigen Darstellungen, die es von ihm gibt, zeigen ihn als Gestalt mit Flügelschuhen, einer langen Locke an der Stirn und einem geschorenen Hinterkopf. Schnell ist er unterwegs und zu fassen bekommt ihn nur,...

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Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 1/2020: Bilder der Kindheit
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