Die Kraft des vergangenen Glücks

Nostalgie kann zu einem optimistischeren Blick in die Zukunft führen.

Die Illustration zeigt einen Mann, der auf seinem Körper nostalgische Zeichnungen trägt, die ihn an Erlebnisse aus der Vergangenheit erinnern
Erinnerungen sind in uns gespeichert und können uns bei Aktivierung helfen. © Sabine Kranz

Schlecht ist stärker als gut. Es gibt eine allgemein menschliche Neigung, sich von negativen Ereignissen und Emotionen stärker beeinflussen zu lassen als von positiven. Während ein Wort der Kritik uns zu vernichten vermag, kann es uns durchaus kalt lassen, wenn uns jemand mit Lob überhäuft. Wir sehen das eine feindselige Gesicht in der Menge, während uns so manches freundliche Lächeln entgeht.

Studien zeigen, dass eine angegriffene Gesundheit oder Rabeneltern eine weit nachhaltigere Rolle spielen als eine robuste Gesundheit und großartige Eltern. Die Wirkung schlimmer Ereignisse hält länger an als die positiver. Ein negatives Bild (etwa das Foto eines toten Tiers) stimuliert mehr elektrische Aktivität als ein positives Bild (etwa das Foto einer Schale mit Schokoeis). Eine Kritik schmerzt weit mehr, als ein Lob Freude macht. Man fängt sich leichter einen schlechten Ruf ein und wird ihn auch nicht so leicht wieder los wie einen guten.

In einer denkwürdigen Reihe von Experimenten hat Paul Rozin, Psychologieprofessor an der University of Pennsylvania, aufgezeigt, wie wenig es braucht, um uns etwas an sich Gutes zu verderben. Er musste nur kurz eine sterilisierte tote Küchenschabe in ein Glas Apfelsaft tunken, schon weigerte sich der größte Teil der Versuchspersonen, auch nur daran zu nippen. Eine bemerkenswerte Ausnahme waren dabei kleine Jungs, denen anscheinend vor gar nichts zu grausen schien. Dem größten Teil der Erwachsenen dagegen war danach die Lust auf Apfelsaft vergangen – selbst auf welchen aus einem frischen Karton und in einem sauberen Glas. Schon die geringste Berührung mit einem ekligen Insekt verleidete ihnen jegliche Nahrung.

Ein Löffel Teer

Aber mal angenommen, ein Experimentator legt gutes Essen, also zum Beispiel einen leckeren Petit Gâteau auf einen Teller voll sterilisierter Küchenschaben. Würde einem das die ekligen Viecher schmackhaft machen? Nein. Und zwar deshalb, weil es eine „Antischabe“...

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Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 3/2020: Ruhe im Kopf
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