Auf die sanfte Tour

Wie wir mit Selbstmitgefühl und Akzeptanz zu mehr Zuversicht und innerer Stärke finden.

Das Foto zeigt eine Frau, die zuversichtlich in die Zukunft blickt.
Optimistisch in die Zukunft blicken: Dabei hilft die Akzeptanz- und Commitmenttherapie. © Silke Weinsheimer

Eine Studentin bricht stotternd ihr Referat ab und hat danach Angst, von den Kommilitonen für unfähig gehalten zu werden. Ein mittelalter Mann fühlt sich einsam, weil er keine Partnerin findet, und zieht sich daraufhin immer mehr zurück. Eine erwachsene Tochter lässt sich von ihrer pflegebedürftigen Mutter täglich vereinnahmen, ärgert sich aber insgeheim und wünscht sich mehr Freiräume.

Diesen drei Menschen würde man spontan mehr innere Stärke, Sicherheit und Durchsetzungskraft wünschen. Aber was hieße das konkret? Soll die Studentin einen Rhetorikkurs belegen und sich dann mutig erneut vor den Saal stellen? Soll der vereinsamte Mann auf Partnersuche gehen und sich eine neue Beziehung erkämpfen? Und ist es für die erwachsene Tochter an der Zeit, von der Mutter endlich Rücksichtnahme auf die eigenen Bedürfnisse einzufordern?

Hauruckaktionen sind nicht immer hilfreich

Solche handlungsorientierten Lösungswege, die direkt am Problem ansetzen und bei denen es vor allem darum geht, couragiert für seine Interessen einzutreten, Schwächen zu überwinden und äußere Stärke zu zeigen, sind natürlich nicht falsch. Doch wissen Psychologen, Psychotherapeuten und auch viele Menschen, die selbständig Krisen gemeistert haben, dass heroische Hauruckaktionen je nach psychischer Verfassung gar nicht immer möglich sind. Darüber hinaus wirken sie oft aufgesetzt, sind nur kurzfristig effektiv und ein anstrengender Kampf.

Ein anderer Weg wird deshalb immer wichtiger: Es gibt heute einige erprobte Techniken, die an der Seele selbst ansetzen, Menschen ganz allgemein innerlich stabilisieren, ihnen mehr Nähe zu sich selbst vermitteln – und all das auch noch auf eine freundliche Art. Das Üben von Selbstmitgefühl und Akzeptanz ist längst zu einer tragenden Säule in der Psychotherapie von seelischen Erkrankungen wie etwa Depressionen, Essstörungen und Ängsten geworden. Auch in der Bewältigung von Lebenskrisen findet der sanfte Weg zu mehr innerer Stärke immer häufiger Anwendung.

Nicht Probleme werden behandelt, sondern Menschen

„Die Idee, Klienten darin zu bestärken, ihre Schwierigkeiten zu akzeptieren und mit sich selbst achtsam umzugehen, ist für Therapeuten natürlich nicht neu. Nur sind solche Ansätze in den letzten Jahren von der Peripherie eher ins Zentrum gerückt“, sagt der Psychotherapeut Matthias Wengenroth, ein Experte für die Akzeptanz- und Commitmenttherapie. „In vielen therapeutischen Prozessen werden heute nicht primär Symptome wie Angst oder Niedergeschlagenheit behandelt, sondern Menschen mit seelischen Problemen darin unterstützt, ein Leben zu führen, das sie sinnvoll finden. Das bedeutet aber auch, dass man Leid und Schmerz nicht um jeden Preis wegmachen will, sondern zulässt.“

Das heißt: Wenn Menschen eine andere Haltung zu sich, zum eigenen Leid und Leben einnehmen, lernen sie auch, ihre Schwierigkeiten anders zu sehen und anders mit ihnen umzugehen. So verändern sich irgendwann auch die Probleme – ohne dass man dort mit der Brechstange angesetzt hätte.

Wie das Üben von Selbstmitgefühl und Akzeptanz konkret funktioniert, lesen Sie im kompletten Artikel „Auf die sanfte Tour“ in unserem aktuellen Themenheft der Reihe Psychologie Heute compact: Die Seele stärken: Für sich einstehen – resilienter werden – Zuversicht schöpfen

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Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute Compact 62: Die Seele stärken
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