Große Freiheit oder großes Loch?

Der Gedanke an die Rente weckt Hoffnung auf ein freies Leben ohne Leistungsdiktat. Doch wenn es dann so weit ist, kommt für viele ein böses Erwachen

Große Freiheit oder großes Loch?

Der Gedanke an die Rente weckt Hoffnung auf ein freies Leben ohne Leistungsdiktat. Doch wenn es dann so weit ist, kommt für viele ein böses Erwachen

Endlich ausschlafen, in Ruhe frühstücken und die Zeitung ohne Hast studieren, eine Runde durch den Park joggen, zum Schwimmkurs gehen, der vorher immer mit den Arbeitszeiten kollidierte, durch Museen schlendern, Freunde treffen, trinken und reden, ohne mit Schrecken an den nächsten Morgen zu denken. Endlich die Aquarellfarben auspacken, die seit Jahren in der Schublade verstauben, vielleicht die Geige vom Dachboden nehmen und ihr wieder Töne entlocken, die Enkelkinder besuchen, im Garten aufräumen, ausgedehnte Radtouren machen, ohne Rücksicht auf Dienstpläne nach Lust und Laune verreisen, solange das Geld reicht, Romane lesen am helllichten Tag oder vielleicht selbst einen schreiben.

Interessanterweise sind die Fantasien besonders farbig, wenn die Rente noch in sicherer Entfernung ist. Rückt der Tag X näher, trüben graue Töne die Pracht des inneren Gemäldes. Plötzlich ist da die bange Ahnung, dass das, was nach dem Beruf kommt, vielleicht doch nicht so bunt werden könnte, wie im Kopf sehnsüchtig ausgemalt. Wer bin ich, wenn ich nicht mehr arbeite und nicht mehr gefragt bin? Wie geht es mir, wenn ich rund um die Uhr mit meinem Partner zusammen bin? Was mache ich den lieben langen Tag? Was ist, wenn ich ernsthaft krank werde?

Diese Fragen lauern im Untergrund, tauchen kurz an die Oberfläche und werden schnell mit abwiegelnden Sätzen wie „Das lasse ich ganz entspannt auf mich zukommen“ weggedrückt. Doch vieles spricht dafür, diese Fragen nicht wegzuschieben, sondern sie im Gegenteil sehr ernst zu nehmen.…

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Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 9/2016: Ich und glücklich?
Psychologie Heute Compact 64: Trauer und Verlust
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