„Ereignisse genau vorhersagen, das kann kein Mensch“

Wie wahrscheinlich ist es, bei einem Terroranschlag zu sterben? Bislang ist die Gefahr nicht außerordentlich hoch, sagt der Risikoforscher Ortwin Renn

„Ereignisse genau vorhersagen, das kann kein Mensch“

Wie wahrscheinlich ist es, bei einem Terroranschlag zu sterben? Bislang ist die Gefahr nicht außerordentlich hoch, sagt der Risikoforscher Ortwin Renn

Herr Renn, viele Menschen in Deutschland fürchten sich vor aggressiven Viren, steigender Kriminalität oder Terrorangriffen. Zu Recht?

Subjektiv sind alle Ängste gerechtfertigt, denn sie geben die Realität aus Sicht der betroffenen Menschen wieder. Verglichen mit statistischen Daten, wird die Tragweite dieser Effekte oft überschätzt, gelegentlich auch unterschätzt. Das liegt unter anderem an der starken Präsenz in den Medien: Wenn wir täglich viele Morde in den Fernsehprogrammen sehen, neigen wir dazu, das Risiko für Gewaltverbrechen zu überschätzen. Dem subjektiven Empfinden steht ein statistisches Risiko gegenüber, das Forscher errechnen können. Wir blicken dazu auf die Vergangenheit und schauen, wann und wie oft es zu solchen Ereignissen gekommen ist.

Nehmen wir etwa die Gefahr eines Terroranschlags in Deutschland: Wer in einem Stadion ein Fußballspiel ansehen möchte, wird eher beim Überqueren der Straße dorthin als durch einen Terroranschlag ums Leben kommen. Die Wahrscheinlichkeit, als Fußgänger von einem Auto überfahren zu werden, ist ungefähr 700-mal so hoch wie das Risiko, von einem Terroristen getötet zu werden.

Das gilt für Deutschland?

Ja, und auch für Europa mit kleinen Abstrichen. Aber es gilt natürlich nicht für Nigeria. Dort sind zum einen die Verkehrsunfälle viel häufiger. Aber abgesehen davon sterben in diesem Land seit 2009 Jahr für Jahr rund 3500 Menschen durch Terrorangriffe. In…

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Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 4/2016: Mitten im Leben
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