„Jeder trauert früher oder später“

Autorin Isabel Bogdan spricht über Verlust und Trauer – und den langen Lauf zurück ins Leben.

Die Autorin Isabel Bogdan schaut nachdenklich aus einem Fenster
© Dennis Williamson

Mit Schwung öffnet Isabel Bogdan die Wohnungstür. Schon die Begrüßung klingt sehr herzlich – und ein bisschen heiser. Während die Schriftstellerin und Übersetzerin in der Küche Tee und Kaffee kocht, den mitgebrachten Kuchen auf einem Teller anrichtet und mit dem Geschirr klappert, erzählt sie gleich los: Sie ist nur auf einen Sprung zu Hause, ansonsten ist sie in den letzten Wochen mit ihrem neuen Roman Laufen ständig auf Lesereise gewesen, deshalb auch etwas angeschlagen.

Diese Reisen und die Gespräche seien immer etwas Besonderes. „In den letzten Wochen habe ich auf den Lesungen noch einmal viel über Trauer und Verlust erfahren.“ In ihrem Roman geht es um eine Frau, deren depressiver Lebensgefährte sich das Leben genommen hat. Der gesamte Text ist ein innerer Monolog der Frau, die beim Joggen durch ihr Viertel und in einem nahegelegenen Park versucht, ihre Trauer und Verzweiflung zu verarbeiten. Ein Buch, das einen Sog entwickelt und sich sehr konzentriert mit der Verlusterfahrung beschäftigt.

Sobald das Gespräch im Wohnzimmer beginnt, wirkt die Autorin besonnen und ganz auf die Fragen fokussiert. Zwischendurch greift sie gelegentlich in das meterlange Bücherregal hinter sich, um einen Roman herauszuangeln, der ihr gerade passend erscheint. Am Ende des Gesprächs liegt ein halbes Dutzend Bücher zwischen Tassen und Kuchentellern auf dem Tisch.

Frau Bogdan, in Ihrem Roman verknüpfen Sie Trauer und Verlustgefühle eng mit Laufen und Bewegung. Was war bei der Idee zu der Geschichte zuerst da: die Trauer oder das Laufen?

Das Laufen war der Ausgangspunkt. Ich habe schon vor Jahren eine Kurzgeschichte geschrieben, in der es um eine…

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Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 3/2020: Ruhe im Kopf
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