Begleitet von Unsichtbaren

Mentaltechnik gegen das Alleinsein oder gefährliches Spiel mit Halluzinationen? Über Erwachsene, die sich imaginäre Begleiter herbeifantasieren.

Die Illustration zeigt einen Kopf, der zwei Personen auf der Schulter sitzen hat.
Manchmal switcht Christian in die andere Persönlichkeit. Dann wird sogar sein Gang lockerer. © Elke Ehninger

Nennen wir ihn Christian. Christian ist 21 und studiert Informatik, freundlich, sanfte Stimme, etwas introvertiert. Was keiner weiß, wenn er über die Uniflure läuft: Christian ist nicht allein. In seiner Wahrnehmung gibt es gleich drei Personen, die ständig bei ihm sind. Drei Stimmen, die ihn begleiten. Die eine eigene Meinung haben, eigene Gefühle, jede einen eigenen Namen. Er kann sie sogar sehen, fast wie richtige Personen.

Christian ist nicht verrückt.Er hat sich ganz bewusst diese Begleiter selbst erschaffen. Ein Internetforum brachte ihn vor gut sechs Jahren auf die Idee. Damals war er 14 und noch schüchterner als heute, er hatte Mobbing erlebt und litt an Depressionen. „Ich brauchte etwas, woran ich mich festhalten konnte“, sagt er.

Der innere Monolog, den alle Menschen führen, wenn sie intensiv über etwas nachdenken – bei Christian ist es ein innerer Dialog mit wechselnden Personen geworden. Die Gedanken, die jedem durch den Kopf gehen, haben bei ihm verschiedene Stimmen und persönliche Eigenheiten. Sie helfen Christian in Situationen, in denen er mit anderen Menschen zu tun hat und Selbstvertrauen braucht. Und sie sind nützlich, wenn er in seinem Job als Programmierer ein kniffliges Problem lösen muss: „Dann reden wir sehr viel miteinander.“

Die inneren Stimmen provozieren

Viele Kinder haben unsichtbare Freunde. Doch auch Erwachsene können sich solche Gefährten erschaffen. Im Web gibt es seit mehr als zehn Jahren entsprechende Foren, in denen sich am Thema Interessierte austauschen. In Anlehnung an entsprechende…

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Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 3/2022: Burn on
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