Beziehung

Wie es Singles geht

Ob jemand ohne Partner glücklich oder unglücklich ist, hängt auch von seinem Bindungsstil ab, so das Fazit einer aktuellen Auswertung.

Single sein

Wie geht es denjenigen, die länger ohne Partner sind? Wie sehr wünschen sie sich eine intime Beziehung? Das hänge vom jeweiligen Bindungsstil ab, sagen die Psychologen Christopher A. Pepping und Geoff MacDonald. In einem Überblicksartikel stellten sie die Forschungsergebnisse zur Situation von Langzeitsingles zusammen. Dabei unterschieden sie drei Bindungsstile: Bindungsvermeidung, Bindungsangst und die sichere Bindung.

Die Bindungsvermeider unter den Singles neigen dazu, einer Beziehung aus dem Weg zu gehen. Sie spielen die Bedeutung von Beziehungen einerseits herunter und dämpfen ihre eigenen Hoffnungen, jemanden kennenzulernen – sehnen sich aber andererseits stark danach. Das macht diese Singles unzufrieden. Viele können diese Unzufriedenheit jedoch ein Stück weit in einem Beruf kompensieren, in dem es mehr auf Autonomie ankommt als auf Bindung. Allerdings kehre sich dieser Effekt im Alter um. Dann könnten – um Nähe zu vermeiden – auch Hilfe und Unterstützung schwerer angenommen werden, stellen die Psychologen fest.

Angst vor der Bindung – und dem Alleinsein

Singles, die unter Bindungsangst leiden, gehen zwar Partnerschaften ein, haben aber Angst davor – allerdings auch vor dem Alleinsein. Diese Singles haben ein höheres Risiko zu vereinsamen und an einer Depression zu erkranken. Einigen Bindungsängstlichen gelingt es jedoch, trotz Angst vor einer intimen Beziehung Freundschaften und Bekanntschaften zu pflegen, was ihnen hilft, mit dem für sie ambivalenten Singlestatus besser zurechtzukommen. Die optimistischen unter den bindungsängstlichen Alleinstehenden haben Hoffnung, wieder einen Partner zu finden, schreiben Pepping und MacDonald.

Am besten geht es offenbar den bindungssicheren Singles, vermutlich weil sie sich bewusst für diesen Status entschieden haben, so die Forscher. Sie pflegen oft intensivere und mehr Freundschaften als Menschen, die in einer Beziehung sind. Das macht sie zufrieden und senkt das Depressionsrisiko.

Laut einer Umfrage zweier Onlinepartneragenturen leben derzeit in Deutschland 16,8 Millionen Singles. Sie bleiben im Durchschnitt sechs Jahre ohne Partner, in Großstädten noch ein Jahr länger.

Christopher A. Pepping, Geoff MacDonald: Adult attachment and long-term singlehood. Current Opinion in Psychology, 25, 2018, 105–109. DOI: 10.1016/j.copsyc.2018.04.006

Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 9/2018: Die Kraft des Verzeihens
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