Im Tandem

PARTNERSCHAFT: Wenn beide Partner im Home Office sind, kann der Frust schnell steigen. 5 Tipps, die unsere Zufriedenheit in der Partnerschaft stärken.

Die Illustration zeigt ein Händchen haltendes Paar beim Langlauf auf Tandem-Skiern, das sich zufrieden anlächelt
Damit die Partnerschaft ein Langlauf wird, gilt es ein paar Regeln zu beachten. © Till Hafenbrak

1 Freundlich sein

Gleich und Gleich gesellt sich gern, sagt der Volksmund. Das ist aber keine Garantie für Zufriedenheit in der Beziehung. Besser ist, Sie suchen sich – ganz unabhängig von Ihrer eigenen Persönlichkeit – einen freundlichen und Ihnen zugewandten Menschen.

Das ist das Fazit einer Studie an der amerikanischen Michigan State University. Mit ihrer ausführlichen Umfrage wollten die Psychologen ein möglichst großes Spektrum der Bedingungen erkunden, die eine glückliche Partnerschaft möglich machen. Unter anderem interessierte sie die Frage, ob ähnliche Eigenschaften bei Eheleuten die Zufriedenheit in der Beziehung stärken. Dazu befragten sie 2578 Paare, die durchschnittlich mehr als 20 Jahre lang miteinander verheiratet waren.

Das Ergebnis überraschte die Wissenschaftler. Denn entgegen früheren Annahmen haben ähnliche Persönlichkeitsmerkmale anscheinend nur einen geringen Einfluss auf eine gelingende Beziehung. Viel wichtiger sind folgende Eigenschaften und Verhaltensweisen: Gewissenhaftigkeit, Rücksichtnahme und Pflichtbewusstsein sowie emotionale Stabilität, also die Gabe, auch in stressigen Situationen nicht zu verzagen und die Nerven zu bewahren.

2 Auf Bedürfnisse eingehen

Beziehungen und Familienleben in Deutschland stehen in dem Fokus der Längsschnittstudie Pairfam (Panel Analysis of Intimate Relationships and Family Dynamics). Die Forscher verschiedener Universitäten befragen jedes Jahr rund 12000 Personen sowie deren Partner, Eltern und Kinder. Hinter dem Geheimnis langjähriger und glücklicher Partnerschaften steckt laut der Psychologin Christine Finn von der Universität Jena vor allem eine Fähigkeit: die Bedürfnisse des anderen wahrnehmen zu können.

Noch besser ist es, wenn die Bedürfnisse in Einklang sind. „Wenn eine Person innerhalb einer Beziehung beispielsweise darauf bedacht ist, ihre Unabhängigkeit zu bewahren, dann ist es von Vorteil, wenn das auch der Partner so sieht, so Finn. Partner, die in dieser Weise aufeinander eingehen, entwickeln sich synchron und „schaukeln sich nach und nach ein“.

3 Humorvoll sein

Es stimmt nur teilweise, dass sich die Gefühle füreinander in langjährigen Beziehungen abschwächen. Zwar kühlt die Leidenschaft ab, aber andere positive Empfindungen drängen stärker in den Vordergrund. Vor allem ein humorvoller und zärtlicher Umgang miteinander scheint ein bestimmendes Merkmal bei älteren Paaren zu sein. Darauf verweisen Wissenschaftler der University of California, die in einer Studie 87 heterosexuelle Paare über 13 Jahre hinweg begleitet haben.

Die Teilnehmer waren zu Beginn zwischen 40 und 70 Jahre alt und seit 15 bis 35 Jahren verheiratet. Während der Laufzeit der Studie wurden die Paare dreimal dabei gefilmt, als sie über Konflikte diskutieren mussten. Die Forscher bewerteten anschließend den Gesichtsausdruck, die Körpersprache, den verbalen Inhalt und die Stimmlage bei diesen kontroversen Gesprächen.

Dabei zeigte sich zum Beispiel, dass Ehefrauen mehr Gefühle ausdrücken als ihre Ehemänner, bisweilen aber auch zu einem etwas bevormundenden Verhalten neigen. Doch mit zunehmendem Alter nehmen bei beiden Geschlechtern negative Verhaltensweisen immer mehr ab. „Trotz des Verlustes von Freunden und Familienmitgliedern sind ältere Menschen in stabilen Ehen relativ glücklich und leiden seltener an Depressionen und Angst. Die Ehe hat ihrer psychischen Gesundheit gutgetan“, so das Fazit von Robert Levenson, einem der Autoren der Studie.

4 Richtig streiten

Eine gute Streitkultur ist essenziell für die Zufriedenheit in einer Beziehung. Der amerikanische Psychologe John Gottman hat über Jahrzehnte tausende von Paarbeziehungen beobachtet und analysiert, um herauszufinden, was Menschen zusammenhält und was sie trennt. Viel wichtiger als das Ergebnis eines Streits, sagt Gottman, ist die Art und Weise, wie dieser ausgetragen wird. Zufriedene Paare zeigen dem Partner auch während der Auseinandersetzung, dass sie sich ihm nahe fühlen.

Sie umarmen sich zum Beispiel, machen Witze oder lassen erkennen, dass sie den Vorschlag oder die Gefühle des Partners respektieren und akzeptieren. Sie wollen auch nicht immer Recht behalten, sondern stellen auch mal eigene Ansprüche zurück. Der Psycho­therapeut Arnold Retzer hat ein solches Verhalten „resignative Reife“ genannt, eine wichtige Voraussetzung gelingender Beziehungen. In zufriedenen Partnerschaften, berechnete John Gottman, überwiegen die positiven Reaktionen die negativen in einem Verhältnis von fünf zu eins, während in gefährdeten Beziehungen sich der Anteil der positiven (0,8) im Vergleich zu den negativen Reaktionen (1,0) fast die Waage hält.

5 Nicht auf Materielles fokussieren

Der Partner, die Partnerin sollte an erster Stelle stehen, nicht das liebe Geld. Paare, für die materielle Besitztümer nicht so wichtig sind, haben ein um 10 bis 15 Prozent höheres Zufriedenheitsniveau, errechneten Psychologen der amerikanischen Brigham Young University. Sie befragten 1310 Verheiratete, um deren Einstellungen zu Besitz, Bedeutung der Ehe und Zufriedenheit in der Ehe zu untersuchen.

Die Probanden mussten Fragen beantworten wie „Schöne Dinge zu haben ist für mich wichtiger als für die Zukunft zu sparen“ oder „Geld zu besitzen ist mir sehr wichtig“. Wie sich herausstellte, ging ein stärker ausgeprägter Materialismus mit einer verminderten Wertschätzung der Ehe und einem geringeren Grad an Zufriedenheit einher. Beziehungsorientierte Menschen, so schlussfolgern die Forscher, wenden sich lieber dem Partner statt dem Pulver zu und können daher auch mehr Zeit und Energie in ihre Beziehung investieren.

Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 2/2020: Wer bin ich noch?
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