„Eltern sind auch nur Menschen“

Welche Spuren hinterlassen unsere Eltern in unser Lebenserzählung? Die Psychologin Christine Köber ist dieser Frage nachgegangen.

Eine alte Fotografie zeigt Mutter, Vater und Sohn, die freundlich schauen, darunter spiegelt sich ein weißer Schatten, der die Kindheit symbolisiert
Wir erzählen gerne davon, wie wir wurden, wer wir sind – unsere Eltern spielen eine große Rolle dabei. © Corinna Staffe

Frau Köber, in Ihrer Langzeitstudie Mainlife mit Tilmann Habermas haben Sie sich von Menschen ganz unterschiedlichen Alters deren bisheriges Leben erzählen lassen. Welche Stellung haben die Eltern in diesen Ich-Erzählungen? Tauchen sie eher unter „ferner liefen“ auf, oder spielen sie als prägende Figuren die Hauptrolle?

Die Hauptrolle in der eigenen Lebenserzählung spielt die erzählende Person selbst. Aber natürlich sind die Eltern sehr wichtige Charaktere in dieser Geschichte. Besonders präsent sind die Eltern natürlich in Erzählungen aus der Kindheit. Etwa: Meine Mutter war viel für mich da, sie hat mit mir gebastelt und gemalt und mich ermutigt, Neues auszuprobieren. Oder: Nach der Scheidung meiner Eltern waren beide sehr beschäftigt, und ich habe viel Zeit mit meinen Großeltern verbracht. In den Erzählungen aus den Erwachsenenjahren sind die Eltern dann natürlich nicht mehr so dominant und präsent. Schon in den Erinnerungen an die Jugendjahre tauchen Freunde häufiger auf als die Eltern. Und nach dem Auszug aus dem Elternhaus rückt dann erst recht die eigene Lebenssituation in den Mittelpunkt, zum Beispiel die Familie, die man nun selbst gegründet hat. Doch nach unseren Befunden bleiben die Eltern auch in diesen Phasen und über die gesamte Lebensspanne hinweg wichtige Figuren im Hintergrund.

Ihre jüngsten Probanden waren acht Jahre alt. Wie erzählen Kinder von ihren Eltern?

Fast ausschließlich positiv und sehr idealisierend – was auch schön ist, finde ich. Es wird bei den Kindern viel von Weihnachten und anderen Festen erzählt, von ihren Geschenken, von den Urlauben. In diesen...

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Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 4/2019: Die Kraft des Atmens
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