Allein – trotz Eltern

Wenn Vater oder Mutter psychisch krank werden, leiden auch die Kinder – oftmals ein Leben lang. Therapiert wurde meist nur der betroffene Elternteil, nun beziehen neue Hilfsangebote auch frühzeitig die Kinder ein

Allein – trotz Eltern

Wenn Vater oder Mutter psychisch krank werden, leiden auch die Kinder – oftmals ein Leben lang. Therapiert wurde meist nur der betroffene Elternteil, nun beziehen neue Hilfsangebote auch frühzeitig die Kinder ein

Andreas Heine* ist vier oder fünf Jahre alt, als seine Mutter seine Hand nimmt und mit ihm ins Wohnzimmer rennt. Ihr ganzer Körper ist angespannt, immer wieder blickt sie zur Haustür. Sie hat furchtbare Angst. Doch wovor, das versteht der kleine Junge nicht. Er soll sich auf keinen Fall am Fenster zeigen, bläut sie ihm ein. Der Mann auf dem Mähdrescher draußen darf ihn nicht sehen. Dann schließt sie die Wohnzimmertür von außen ab. Andreas bleibt allein zurück. Er schreit und bettelt, rausgelassen zu werden. Doch seine Mutter ist völlig erschöpft, sie legt sich auf den Schlüssel und schläft ein. Viele Stunden bleibt der Junge eingeschlossen. „Ich habe damals den ganzen Tag ferngesehen“, erinnert sich Andreas Heine. Inzwischen ist er 28 Jahre alt, ein großer Mann mit weichem Gesicht. „Die vielen Ängste und meine Hemmungen anderen Menschen gegenüber, das habe ich natürlich von meiner Mutter mitgenommen“, sagt er mit sanfter Stimme. In seiner Kindheit gab es viele solcher verwirrenden und aufwühlenden Situationen. Als Heines Mutter mit ihm schwanger war, geriet sie das erste Mal in eine schwere Psychose. Später dia­gnostizierten die Ärzte eine bipolare Störung.

Die Atmosphäre zu Hause war angespannt. Wenn der Vater zu viel getrunken hatte, schlug er die Mutter und manchmal auch die Kinder. „Ich wollte immer meine Mutter schützen. Ich konnte eigentlich nie länger von zu Hause wegbleiben, weil ich immer Angst um sie hatte“, erzählt Heine.

Schätzungen…

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Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 12/2016: Heimat finden
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