„Welche Solidarität brauchen wir?“

Um angemessen auf Flüchtlingsbewegungen und die zunehmende Ungleichheit reagieren zu können, braucht es Solidarität. Nur, was ist das eigentlich? Und was ist damit gemeint? Antworten von Paul Mecheril, Professor für Migration und Bildung an der Universität Oldenburg

„Welche Solidarität brauchen wir?“

Um angemessen auf Flüchtlingsbewegungen und die zunehmende Ungleichheit reagieren zu können, braucht es Solidarität. Nur, was ist das eigentlich? Und was ist damit gemeint? Antworten von Paul Mecheril, Professor für Migration und Bildung an der Universität Oldenburg

Herr Professor Mecheril, lassen Sie uns mit der Begriffsklärung beginnen: Was bedeutet Solidarität?

Die Frage kann in mehrerer Hinsicht beantwortet werden. Wir können etwa überlegen, ob es um Solidarität geht, wenn wir an die Situation der Geflüchteten denken, die es geschafft haben, nach Europa zu kommen. Die Frage wäre dann: Ist Solidarität für die gegenwärtige Situation eine angemessene Perspektive? Wir können uns aber auch fragen, was der Begriff der Solidarität ethisch gesehen bedeutet.

Und was bedeutet er ethisch gesehen?

Die Erklärung aus der Ethik lautet, Solidarität ist eine „supererogatorische“ Handlungsform, das heißt: Wer solidarisch handelt, tut etwas, das über die bloße Pflicht hinausgeht. Solidarität ist damit etwas, was nicht eingefordert werden kann. Sie wird von Menschen erbracht, weil sie meinen, dass dies sinnvoll oder wichtig sei.

Historisch kennen wir diese Form des Handelns beispielsweise aus sozialen Strömungen wie der Arbeiterbewegung. Solidarisches Handeln ist ein Handeln gegenüber jemandem, mit dem ich in einem praktischen Handlungszusammenhang stehe. Das könnte der Kollege sein, mit dem ich zusammen in einem Unternehmen arbeite, oder die Genossin, die in derselben Gewerkschaft organisiert ist wie ich. Dem Menschen gegenüber, mit dem ich in einer Verbindung stehe, bin ich solidarisch, wenn er in eine Notlage gerät oder in seinen Lebensmöglichkeiten eingeschränkt wird.

Was ist der Unterschied zur Barmherzigkeit?

In der Praxis hängt alles zusammen, und die Übergänge sind fließend. Aber wenn wir exakt sind, können wir Solidarität von Barmherzigkeit, von bloßem Mitgefühl unterscheiden. Bei Solidarität geht es eher um eine Handlung, die das Gegenüber in einem...

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Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 2/2017: Schon in Ordnung
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