„Das chinesische Wort für Weisheit bedeutet auch List“

Mit List und Tücke Ziele zu erreichen – das gilt bei uns als unrühmliches Verhalten. Chinesen schätzen das ganz anders ein. Sie sehen darin eine kluge Strategie, erklärt der Jurist und Sinologe Harro von Senger

„Das chinesische Wort für Weisheit bedeutet auch List“

Mit List und Tücke Ziele zu erreichen – das gilt bei uns als unrühmliches Verhalten. Chinesen schätzen das ganz anders ein. Sie sehen darin eine kluge Strategie, erklärt der Jurist und Sinologe Harro von Senger

Herr von Senger, Sie sind Experte für chinesische Planungskunst und Listtechniken. Was verstehen Sie unter einer List?

Hierzulande setzen die meisten Menschen die List mit geschickter Täuschung und Lüge gleich. Es gibt aber auch ein tiefgründigeres Verständnis. So definiert der Duden List als schlaues „Mittel, mit dessen Hilfe jemand (andere täuschend) etwas zu erreichen sucht, was man auf normalem Wege nicht erreichen könnte“. Diese Formulierung ist eine gute Brücke zum chinesischen Listverständnis: „Etwas Außergewöhnliches erzeugen und so den Sieg erringen“.

Das Täuschen spielt nicht unbedingt eine Rolle, wenn wir listig handeln?

Aus der chinesischen Listdefinition wie auch aus der Listumschreibung im Duden geht hervor, dass die Täuschung kein unabdingbares Merkmal der List ist. Deshalb setzt die Duden-Redaktion, wie sie mir auf Nachfrage hin mitteilte, „andere täuschend“ in Klammern. Allerdings findet sich in dem Wörterbuch als allererstes Beispiel die Formulierung „eine teuflische List“. Sie wird also sofort als etwas Grundschlechtes hingestellt. In der Tat hat das Wort List in unserem Sprachraum einen etwas anrüchigen Klang, eine negative Konnotation.

Genau, wir denken hierzulande an „List und Tücke“, an Irreführung, Manipulation, das Ausnutzen von Arglosigkeit, an feindselige Absichten. Das ist in China anders?

In China würde man im Zusammenhang mit List keineswegs in erster Linie an etwas Verwerfliches denken. Im Gegenteil, das...

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Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 11/2017: Selbstsabotage
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