Facebook: Wenn Nutzer versterben

Was passiert mit dem Facebookprofil von Verstorbenen? Und wie gehen wir im Internet mit Trauer um? Ein Gespräch mit Medienforscher Jed Brubaker.

Facebook & Co: Wie verändert das Internet unsere Art zu trauern? © Picture Alliance

„Für Facebook sind Verstorbene nicht einfach weg“

Verwandeln virtuelle Versammlungsorte wie Facebook die Art, wie wir trauern und mit dem Tod umgehen? Sehr sogar, meint Medienforscher Jed Brubaker. Seine Studien haben dazu geführt, dass Facebook seinen Umgang mit verstorbenen Nutzern umgestellt hat

Mann betrachtet Facebookprofil einer Verstorbenen
Facebook & Co: Wie verändert das Internet unsere Art zu trauern?

Professor Brubaker, wie hat das Internet unseren Umgang mit Tod und Trauer verändert?

In den vergangenen hundert Jahren haben die westlichen Gesellschaften den Tod versteckt und beiseitegeschoben. Man stirbt im Krankenhaus oder im Altenheim, dann wird man auf dem Friedhof beigesetzt. Dort gehen die Verwandten dann ein- oder zweimal im Jahr zum Grab, um Blumen abzulegen. Wir haben den Tod also institutionalisiert. Er findet an ganz bestimmten Orten zu ganz bestimmten Zeiten statt. Das heißt umgekehrt, dass der moderne Mensch kaum noch in der Gegenwart des Todes lebt. Der Tod ist für uns nicht mehr jene Alltagserfahrung, die er noch für unsere Vorfahren war.

Und dann kommt das Internet ins Spiel …

Das Internet hat einiges verändert, das glaube ich schon, und viele meiner Kollegen sehen das ähnlich. Nehmen Sie eine alltägliche Situation, die sich andauernd auf Facebook ereignet: Man denkt nichts Böses – und auf einmal sieht man dort die Nachricht, dass jemand gestorben ist, den man kannte. Sie wollen Ihrem Freund zum Geburtstag gratulieren, klicken auf seine Seite – und nun sehen Sie bestürzt, dass dort alle in der Vergangenheitsform über ihn schreiben. Natürlich empfinden das einige als zutiefst verstörend. Doch genau in diesem Moment fängt für sie die Trauerarbeit an.

Ähnliches passiert doch auch ohne Internet schon lange, seit es Zeitungen mit Todesanzeigen gibt.

Mag sein, aber dort rechnet man ja gerade mit einer solchen Nachricht. Es gibt diese bestimmte Rubrik in der Zeitung, die für die Todesmeldungen vorgesehen ist, ein bestimmtes Umfeld, das eigens...

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Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 5/2018: Akzeptieren, wie es ist
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