Wenn Frauen zuschlagen

Heftige Schläge, sogar Morde und sexuelle Gewalt: Es mag überraschen – aber solche Taten werden auch von Frauen verübt. Zwar führen Männer die Kriminalitätsstatistiken an, doch körperliche Übergriffe durch Frauen sind häufiger, als viele wahrhaben wollen. Wie kommt es dazu? Wer sind die Täterinnen, wer die Opfer?

Wenn Frauen zuschlagen

Heftige Schläge, sogar Morde und sexuelle Gewalt: Es mag überraschen – aber solche Taten werden auch von Frauen verübt. Zwar führen Männer die Kriminalitätsstatistiken an, doch körperliche Übergriffe durch Frauen sind häufiger, als viele wahrhaben wollen. Wie kommt es dazu? Wer sind die Täterinnen, wer die Opfer?

Wenn wir die Zeitung aufschlagen oder den Fernseher einschalten, sehen wir eine Welt, die aus Gewalt besteht – und meist ist es Gewalt von Männern“, sagt die Psychologin Helen Gavin von der britischen Universität Huddersfield. Doch das Bild ist verzerrt. Egal ob Mobbing, körperliche Übergriffe, sexueller Missbrauch oder Morde – immer sind auch Frauen unter den Tätern zu finden.

„Weibliche Aggression ist ein bedeutsames gesellschaftliches Thema, das ernst genommen werden sollte“, schreiben Gavin und Theresa Porter vom Connecticut Valley Hospital (USA) in ihrem Buch Female Aggression. Gewalt von Frauen werde immer noch viel zu häufig totgeschwiegen oder ins Lächerliche gezogen – etwa in genüsslichen Medienberichten über die Tritte und Schläge, die Beyoncés Schwester Solange ihrem Schwager Jay Z in einem Aufzug versetzte.

Zwar wird die überwiegende Zahl der Gewalttaten tatsächlich von Männern verübt: So waren laut der polizeilichen Kriminalstatistik 2014 in Deutschland 77 Prozent der Straftatverdächtigen männlich. Noch höher ist der Männeranteil bei schweren Vergehen: Bei Körperverletzung betrug er 80, bei Tötungsdelikten 84 und bei Sexualstraftaten sogar 93 Prozent.

Umgekehrt bedeutet das jedoch auch: Etwa 5 bis 20 Prozent der Gewalttaten gehen auf das Konto von Frauen. Und bei einigen Delikten sind Frauen sogar überdurchschnittlich oft vertreten: Bei der Verletzung von Fürsorge- und Erziehungspflicht betrug ihr Anteil an den Tatverdächtigen 69 Prozent, bei der „Entziehung Minderjähriger“ (Kindesentführung) 50 Prozent.

Weder harmlos noch eine Ausnahme

Dabei ist Aggression, die von Frauen ausgeht, oft alles andere als harmlos, sagt Jürgen Waldmann von der Fachberatungsstelle Gewaltprävention in Stuttgart. Dort gibt es seit Mitte 2013 eine der ersten Gewaltschutzstellen für Männer in Deutschland. „Die Männer, die hierher kommen, berichten häufig, von ihrer Partnerin psychisch unter Druck gesetzt zu werden: Sie droht zum Beispiel, sich umzubringen oder ihm die Kinder zu entziehen“, berichtet Waldmann. „Manche Männer werden auch mit dem Messer bedroht oder mit Gegenständen geschlagen.“

Das sind sicherlich Extremfälle, doch grundsätzlich sind weibliche Übergriffe innerhalb der Partnerschaft keineswegs die Ausnahme, als die sie oft angesehen werden. Studien in den USA seit den 1970er Jahren haben gezeigt, dass Frauen ihren Lebensgefährten genauso oft körperlich angreifen wie umgekehrt. Auch eine aktuelle Untersuchung von Robert Schlack und seinem Team am Robert-Koch-Institut in Berlin ergab, dass gleich viele Männer und Frauen in Deutschland zu körperlicher Gewalt greifen, nämlich etwa vier Prozent.

Doch wie lässt sich erklären, dass auch das „sanfte Geschlecht“ zu heftigen Angriffen auf andere in der Lage ist? Und was unterscheidet weibliche von männlicher Gewalt? Zunächst einmal ist der Kontext, in dem Männer und Frauen gewalttätig werden, sehr unterschiedlich: Männer üben Gewalt in vielen unterschiedlichen Bereichen aus, etwa in der Öffentlichkeit, am Arbeitsplatz oder in der Familie. Bei Frauen konzentrieren sich die Übergriffe dagegen auf das häusliche Umfeld: auf die Familie und enge soziale Beziehungen.

„Stark ausgeprägte körperliche und sexuelle Gewalt wird von Männern zwar häufiger ausgeübt“, berichtet Peter Döge vom Institut für anwendungsorientierte Innovations- und Zukunftsforschung in Kassel. „Bei leichten Formen körperlicher Gewalt unterscheiden sich Frauen und Männer dagegen kaum – etwa jemanden zu treten, zu stoßen oder zu ohrfeigen.“ Zudem greifen Frauen laut Döges Studien häufiger als Männer zu Beleidigungen oder Demütigungen und zu „Kontrollgewalt“ – Verhalten, mit dem sie andere zu kontrollieren versuchen. Frauen übten dabei häufiger als Männer Übergriffe gegen ihre Kinder (siehe Interview) oder andere Verwandte aus, Männer häufiger gegen Fremde.

Häufige Ursache von Gewalt: Hilflosigkeit

„Einer der wichtigsten Risikofaktoren für spätere Gewalthandlungen ist, in seiner Herkunftsfamilie Gewalt erlebt zu haben – gegen sich selbst oder zwischen anderen Familienmitgliedern, etwa den Eltern“, sagt der Sozialwissenschaftler Bastian Schwithal, der 2005 eine Metaanalyse von Studiendaten zum Thema durchgeführt hat. Auch eine inkonsistente Erziehung kann die Neigung zu Gewalt erhöhen. „Diese Faktoren treffen auf Männer und Frauen gleichermaßen zu“, so Schwithal.

Bei Frauen seien Gewalthandlungen oft ein Versuch, die Kommunikation und den emotionalen Kontakt zu ihrem Gegenüber wiederherzustellen. „Häufig sind sie frustriert, weil ihr Partner nicht aufmerksam genug ist oder nicht genug auf ihre Bedürfnisse eingeht. Auch Eifersucht kann eine Rolle spielen“, sagt Schwithal. „Männer greifen zum Teil aus ähnlichen Gründen zu Gewalt – außerdem spielt bei ihnen auch das Bedürfnis nach Macht oder Kontrolle eine Rolle.“ Darüber hinaus haben Menschen, die zu Gewalt greifen, oft keine anderen Handlungsstrategien gelernt, um Bedürfnisse zu äußern oder Konflikte in Beziehungen zu lösen.

In vielen Fällen fängt die Gewalt harmlos an und steigert sich im Lauf der Zeit. „Möglicherweise reagiert der Mann auf leichte körperliche Übergriffe zunächst nicht – das kann dazu führen, dass die Frau ihre Gewalt verstärkt“, erläutert Schwithal. „Männer trauen sich oft auch nicht, deutlich zu sagen: ‚Stopp! Hier ist eine Grenze erreicht!‘ – weil das nicht dem Rollenbild entspricht.“ Auf diese Weise entsteht eine Gewaltspirale, aus der beide Konfliktpartner keinen Ausweg finden.

Totschlag im Affekt – aber auch Mord

Wenn Frauen anderen aus Hilflosigkeit oder Frustration körperlichen Schaden zufügen, dann kann das im Extremfall bis zu Totschlag führen. Opfer sind häufig ebenfalls Familienangehörige oder nahe Bekannte. Dabei kann die Tat im Affekt geschehen, sie kann aber durchaus auch geplant, also ein Mord sein.

„Solchen Beziehungstaten geht oft eine lange Leidensgeschichte voraus“, erläutert Barbara Krahé vom Institut für Psychologie an der Universität Potsdam. Dabei seien die psychologischen Ursachen für Tötungsdelikte bei Frauen und Männern nicht unterschiedlich. „Allerdings ist die Hemmschwelle für körperliche Gewalt bei Frauen höher als bei Männern“, sagt die Psychologin. „Bei solch extremen Formen der Gewalt muss dann schon eine Reihe auslösender Faktoren zusammenkommen.“ In vielen Fällen sind es starker Ärger, Frustration oder eine andere heftige Gefühlsreaktion, die Frauen zu einem Mord veranlassen. Manche fühlen sich durch die Untreue ihres Partners quälend erniedrigt, andere haben von ihrem späteren Opfer jahrelang Gewalt und Missbrauch erduldet – und schlagen dann in einem „günstigen“ Moment zu.

Überraschend – und schockierend – mag klingen, dass zu den häufigsten Todesopfern die eigenen Kinder gehören. „Wenn Frauen ihre Kinder töten, geschieht das am ehesten kurz nach der Geburt oder im ersten Lebensjahr“, erläutern Gavin und Porter. „Der Hauptgrund scheint zu sein, dass sie kein Kind gewollt haben oder sich mit der Verantwortung für ein Baby überfordert fühlen.“ Oft sind die betroffenen Mütter jung und unreif – und töten ihr Kind im Affekt. „Das zeigt sich auch bei der Tötungsmethode“, berichten die Psychologinnen. „Die Babys werden zum Beispiel in der Toilette ertränkt oder mit Kleidungsstücken erstickt.“

Schwarze Witwen, weiße Nichtengel

In all diesen Fällen haben Not und Verzweiflung die Betroffenen dazu gebracht, einen anderen Menschen zu töten. Doch es gibt auch sie: Frauen, die andere skrupellos umbringen oder ganze Serien geplanter Morde begehen. So etwa im Fall der Britin Dena Thompson: Sie versuchte im Jahr 2000, ihren dritten Mann mit einem Baseballschläger zu töten. Daraufhin wurde die Leiche ihres zweiten Mannes, der sechs Jahre zuvor gestorben war, gerichtsmedizinisch untersucht. Es stellte sich heraus, dass er an einem von Dena vergifteten Curry gestorben war. Ihr Motiv: an das Vermögen der Männer zu gelangen.

„Solche ‚schwarzen Witwen‘ töten, um sich selbst zu bereichern“, schreiben Gavin und Porter. „Dabei können sie offenbar nie genug bekommen – es besteht ein hohes Risiko, dass sie zu Serienmörderinnen werden.“ Und auch das gibt es: Krankenschwestern oder Pflegerinnen, die ihnen anvertraute Patienten „sterben lassen“, um an ihr Vermögen zu gelangen. „Da solche Fälle selten vorkommen und oft im Verborgenen bleiben, weiß man über die psychologischen Hintergründe bisher wenig“, sagt Gavin.

Eine aktuelle Studie hat sich mit den Motiven von Serienmörderinnen beschäftigt. Marissa Harrison und ihr Team von der Pennsylvania State University werteten Medienberichte über 64 amerikanische Frauen aus, die im Zeitraum von 1821 bis 2008 je drei oder mehr geplante Morde begangen hatten. „Natürlich gibt die Studie nur erste Hinweise, weil sich die Daten auf historische Berichte stützen“, betonen die Forscher. Dennoch deuten die Ergebnisse auf Beweggründe der Täterinnen hin. So stellte sich „hedonistisches“ Morden als häufigstes Motiv heraus: Etwa jede zweite Frau tötete, um sich finanziell zu bereichern oder weil sie dabei Spaß oder Nervenkitzel empfand. Ein weiteres häufiges Motiv war der Wunsch, Macht über die Opfer zu erlangen. „Dabei kannten die Mörderinnen die meisten ihrer Opfer persönlich“, berichten Harrison und ihr Team. Morde in Zusammenhang mit Sexualverbrechen kamen dagegen – anders als bei männlichen Serienmördern – so gut wie nicht vor.

Das Tabu brechen

Serienmörderinnen sind selten. Doch natürlich kann auch die „gewöhnliche“ Gewalt von Frauen großen Schaden anrichten – körperlich und seelisch. Doch im Umgang mit dem Thema gibt es nach wie vor viele Defizite. „Das fängt schon bei den Häufigkeitszahlen an“, kritisiert Bastian Schwithal. „Oft stehen hier nur die Polizeistatistiken zur Verfügung, die lediglich die offiziell bekannten Taten erfassen.“ Hier seien neue Studien notwendig, um ein umfassenderes Bild weiblicher sowie männlicher Gewalt zu erhalten.

Darüber hinaus ist Gewalt von Frauen nach wie vor ein heikles gesellschaftliches Thema. Die Diskussion darüber ist oft einseitig und stark emotional aufgeladen. „Deshalb sollte in der Öffentlichkeit mehr über das Thema informiert werden“, betont Jürgen Waldmann. „Das kann auch dazu beitragen, dass es den betroffenen Frauen – und den männlichen Opfern – leichter fällt, über ihre Erfahrungen zu sprechen und Unterstützung zu suchen.“

Außerdem sei es wichtig, mehr Hilfsangebote zu schaffen, die sich gezielt an Täterinnen, aber auch an männliche Opfer richten, betont der Erziehungswissenschaftler. „Bisher sind solche Angebote in Deutschland nicht weit verbreitet“, so Waldmann. „Im Moment gibt es nur etwa fünf Hilfseinrichtungen für Männer, die häusliche Gewalt erlebt haben.“

Weibliche Täter können sich an die – wenigen – Gewaltpräventionsstellen in Großstädten wenden, die sie beraten und Therapieangebote vermitteln. Allerdings fehlt es bisher an spezifischen Therapiemöglichkeiten für Frauen, die zu Aggression oder Gewalt neigen. „Solche Therapien sollten auf die individuellen Beweggründe der Frauen eingehen, Einfühlungsvermögen und Kommunikationsfähigkeit trainieren und aufzeigen, wie man Konflikte ohne Gewalt lösen kann“, erläutern Gavin und Porter.

Schon in der Kindheit vorbeugen

Doch auch das ist möglicherweise zu kurz gegriffen. „Ansätze der Gewaltprävention werden nur dann erfolgreich sein, wenn sie die Dynamik in den Gewalthandlungen der Beteiligten begreifen“, sagt Peter Döge. Anders gesagt: Um Gewaltmuster erfolgreich zu verändern, sollten alle Beteiligten miteinbezogen werden – insbesondere in einer Familie oder Partnerschaft. Dies kann im Rahmen einer systemischen Therapie geschehen: Hier wird Gewalt als verfehlte Form der Kommunikation verstanden – und versucht, sie durch andere Formen des Umgangs zu ersetzen. „Deshalb sollten in Einrichtungen der Gewaltprävention verstärkt Fortbildungen in systemischer Arbeit angeboten werden“, betont Döge.

Schließlich beginnt Gewaltprävention schon dort, wo sich Verhaltensmuster erst entwickeln: im Kindes- und Jugendalter. „Entscheidend ist, Kindern die Möglichkeit zu geben, gewaltfrei aufzuwachsen – dazu gehört, auf körperliche Bestrafung zu verzichten und angemessenes Verhalten zu belohnen, statt unangemessenes zu bestrafen“, betont Barbara Krahé. „Zudem sollten junge Menschen Fähigkeiten lernen, um in Beziehungen ohne Gewalt zurechtzukommen.“ Das kann zum Beispiel mithilfe von Anti-Aggressions-Trainings geschehen, die für Jungen und Mädchen gleichermaßen geeignet sind: Hier wird vermittelt, wie man Bedürfnisse angemessen äußern, Konflikte mithilfe von Gesprächen lösen und sich in andere hineinversetzen kann.

„Wenn Gewaltfreiheit das Gesetz unseres Seins darstellt, gehört die Zukunft der Frau“, sagte einst Mahatma Gandhi. Doch nach allem, was die bisherige Forschung zeigt, müsste das Zitat anders enden: „… dann können Männer und Frauen noch einiges dazulernen“.

Literatur

  • H. Gavin, T. Porter: Female Aggression. Wiley, Chichester 2015
  • R. Schlack u. .: Körperliche und psychische Gewalterfahrungen in der deutschen Erwachsenenbevölkerung. Ergebnisse der Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland (DEGS1). Bundesgesundheitsblatt, 56, 2013, 755–764. DOI: 10.1007/s00103-013-1691-8
  • P. Döge: Männer – die ewigen Gewalttäter? Gewalt von und gegen Männer in Deutschland. VS/Springer, Wiesbaden 2011
  • M. Harrison u. .: Female serial killers in the United States: Means, motives, and makings. Journal of Forensic Psychiatry & Psychology, 2015. DOI: 10.1080/14789949.2015.1007516

Hilfsportal sexueller Missbrauch (für Täter/Täterinnen und Opfer): www.hilfeportal-missbrauch.de

„Manche Mütter empfinden ihre Kinder als störend oder schlicht unerwünscht“

Misshandlung statt Fürsorge: Wenn Kinder Opfer mütterlicher Gewalt werden. – Ein Gespräch mit Helen Gavin, Psychologin und Gewaltexpertin an der Universität Huddersfield in Großbritannien und Mitautorin des BuchesFemale Aggression

Wie häufig und in welcher Weise misshandeln Mütter ihre Kinder?

Studien zeigen, dass in unserer westlichen Gesellschaft zwischen vier und 16 Prozent der Kinder körperlich misshandelt und weitere zehn Prozent vernachlässigt werden. Dabei geht die Gewalt in etwa der Hälfte der Fälle von der Mutter aus. Das hängt aber auch damit zusammen, dass Mütter meist mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen und daher mehr „Gelegenheit“ haben, zu Gewalt zu greifen. Es können alle Arten von Gewalt vorkommen: schwere körperliche Gewalt, sexuelle Übergriffe, das Nichteingehen auf körperliche Bedürfnisse – aber auch emotionale Misshandlungen wie Zurückweisung, Abwertung oder Liebesentzug. Manche Mütter geben ihren Kindern Medikamente, um sie ruhigzustellen. Dann gibt es das Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom: Hier löst die Mutter bei ihrem Kind künstlich – etwa mit Medikamenten – Krankheitssymp­tome aus, um so Aufmerksamkeit und Zuwendung zu erhalten.

Wie kommt es dazu, dass Mütter ihren Kindern Gewalt antun?

Viele der betroffenen Mütter fühlen sich mit ihrem Kind oder durch gleichzeitige berufliche Anforderungen überfordert. Oft haben sie Schwierigkeiten, ihre Gefühle angemessen zu regulieren. Manche empfinden ihre Kinder als störend, anstrengend oder schlicht unerwünscht. Dazu kommen teilweise psychische Probleme wie Depressionen, Alkoholmissbrauch oder Persönlichkeitsstörungen. Oft wissen die Mütter nicht, was ein Kind in einem bestimmten Alter kann und was nicht. Sie haben unrealistisch hohe Erwartungen und werden wütend, wenn ihre Kinder diese nicht erfüllen können. So erwarten manche von einem Kleinkind, sich still zu verhalten oder nicht in die Hose zu machen. Viele sehen in normalem alterstypischem Verhalten fälschlicherweise eine negative Absicht – zum Beispiel: „Mein Kind weint, weil es mich ärgern will.“

Auch sexuelle Gewalt kommt vor?

Sexueller Missbrauch an Kindern geht – Schätzungen zufolge – zu einem Viertel von Frauen aus. Die Motive sind dabei ähnlich wie bei Männern. Manche Frauen fühlen sich sexuell zu Kindern hingezogen. Oft besitzen sie wenig Einfühlungsvermögen für ihre Opfer – oder sie glauben, dass Kinder sexuelle Aktivitäten mit Erwachsenen möchten und dass dies den Kindern nicht schade. Aber das Gegenteil ist der Fall: Viele Opfer berichten über langfristige psychische Beeinträchtigungen, etwa Depressionen und Beziehungsprobleme.

Was kann gegen Gewalt von Müttern getan werden?

Zunächst einmal sollte das Thema enttabuisiert werden: Es sollte mehr darüber berichtet und über Risikofaktoren und Zusammenhänge aufgeklärt werden. Darüber hinaus ist es wichtig, ein ausreichendes Angebot an Prävention und Behandlung zu schaffen – insbesondere für Mädchen und junge Frauen. Studien haben zum Beispiel gezeigt, dass es hilfreich ist, wenn junge Mütter soziale Fähigkeiten einüben, die für Kindererziehung und Partnerschaft wichtig sind: Dann nahm ihr aggressives Verhalten gegenüber Partner und Kindern deutlich ab.

Interview: Christine Amrhein

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