Heimat und Identitätssuche

Sehnen wir uns auch deshalb so nach Heimat, weil es uns an innerer Beheimatung, an einer sicheren Identität fehlt?

Heimat ist die Verbundenheit mit der Umgebung, aber auch mit geliebten Personen - und mit sich selbst. © Silke Weissbach

Heimat und die Suche nach Identität

Das Wort Heimat hat wieder Konjunktur – unter anderem in der Politik. Sehnen wir uns auch deshalb so nach einer Lebenswelt, die uns Geborgenheit vermittelt, weil es uns an innerer Beheimatung, an einer sicheren Identität fehlt?

Heimat hat mit Zugehörigkeit zu tun. Wenn sie verlorengeht, ist die Identität von Menschen in Gefahr. Daraus kann ein inneres Unbehaustsein entstehen. Das hat schon Jean Améry in die eindrücklichen Worte gefasst: „Denke ich zurück an die ersten Tage des Exils in Antwerpen, dann bleibt mir die Erinnerung eines Torkelns über schwankenden Boden. […] Man wusste nicht mehr, wer man war.“ Diesen Selbstverlust hat ein anderer exilierter Schriftsteller, György Konrad, so beschrieben: „Wenn du all das verlässt, was zu dir gehört, verlässt du dich selbst.“

Heimat und Identität – das zeigen diese Zitate – haben miteinander zu tun. Doch was ist damit gemeint? Heimatgefühl und Identität lassen sich nicht scharf definieren. Sie können nicht wie Dinge wahrgenommen und ausgemessen werden. Sie lassen sich auch im Gehirn nicht genau lokalisieren. Sie werden meist erst bewusst erlebt, wenn sie abhandengekommen sind, also wenn dem Menschen etwas fehlt und er leidet. Dann können Hirnareale, die sensorischen Schmerz anzeigen, aktiviert sein.

Man muss nicht zwangsweise das eigene Land verlassen, um im Exil zu sein. Heimatlos und identitätsverlustig kann man sich auch als unverstandener, stigmatisierter oder kranker Mensch im Herkunftsland empfinden. Immer mehr Menschen scheinen sich heute in ihren Wohngemeinden und Familien nicht...

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