„Du nutzloses Stück Dreck!“

Im Internet wird beleidigt, gehetzt, gedroht. Sogenannte Trolle attackieren Politiker und Journalistinnen, aber auch den Nachbarn, dessen Meinung ihnen nicht passt. Was steckt hinter dem Hass im Internet? Und was kann man dagegen tun? Fünf Thesen und der Versuch einer Antwort

So eine hohle Frucht! Gleich in das Mähwerk von einem Mähdrescher werfen!“ „Ich schlage keine Frauen, aber bei dir würde ich eine Ausnahme machen.“ „Du fette, dämliche Ratte.“ „Du ekelhaftes, fettes Schwein.“

Das sind Beiträge, die auf Facebook geschrieben wurden. Sie landeten alle auf der Seite von Katrin Göring-Eckardt; die Grünen-Politikern zitiert sie in einem YouTube-Video, mit dem sie dokumentieren will, welcher Ton gerade herrscht in einigen Teilen des Internets. Was die Thüringerin zur Zielscheibe der Hassbeiträge werden ließ, war im Grunde eine Bagatelle: Sie hatte sich im Bundestag einen selbstironischen Scherz über Flüchtlinge und Ostdeutsche erlaubt.

Noch schlimmer liest sich der Fall von Caroline Criado-Perez. Der britischen Publizistin war aufgefallen, dass auf den heimischen Geldscheinen außer der Queen bald nur Männer zu sehen sein würden. Also startete sie eine Kampagne, die vor allem zwei Dinge bewirkte: Erstens, dass ab 2017 ein Porträt der Dichterin Jane Austen die Rückseite der neuen Zehn-Pfund-Note zieren wird. Und zweitens, dass Criado-Perez’ Twitter-Account zur Zielscheibe heftigsten Hasses wurde. Innerhalb weniger Wochen erhielt sie mehrere Zehntausend Posts – im Durchschnitt dauerte es stets nur drei Sekunden bis zur nächsten Nachricht. Mehrere Hundert davon gingen weit über den Tatbestand der Beleidigung hinaus („Stirb, du nutzloses Stück Dreck!“ „Ich werde dich finden!“ „Ich schätze, manche Frauen brauchen von Zeit zu Zeit einfach ’ne tüchtige Vergewaltigung“). Zwei der Drohbriefschreiber wurden später von einem britischen Gericht zu Haftstrafen verurteilt.

Was passiert da im Internet? Woher kommt der Hass? Fünf Thesen und der Versuch einer Antwort.

Schuld an allem ist die Anonymität

Das ist zum Teil richtig. Es gibt zu diesem Punkt mehrere Studien, die sich methodisch alle ähneln. Man nimmt eine Reihe von Kommentaren, die unter...

Den kompletten Artikel können Sie bei uns kaufen oder freischalten.

Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 6/2016: Drüber stehn!
print

News

Leben
Manche lesen ein Buch zwei Mal oder schauen sich einen Film nochmals an. Das ist gar nicht langweilig, fanden Psychologen in einer Studie heraus.
Leben
Wenn wir lächeln, steigt unsere Stimmung. Dies bestätigte eine Metaanalyse mit gut 11.000 Teilnehmern.
Leben
Was wir natürlich finden, hat mit tatsächlicher Natur nur zum Teil zu tun, ergab eine Befragung von 1400 britischen Parkbesuchern.