JETZT ABER SOFORT ZWEI MOHNBRÖTCHEN! BITTE!

Was ist eigentlich diese vielbeschworene innere Stimme? Unsere Kolumnistin Mariana Leky erörtert diese Frage in der Bäckerei mit Herrn Pohl.

Die innere Stimme: Was ist das eigentlich? Und was bekommt die Umwelt davon mit? © Elke Ehninger

Neuerdings gehe ich einmal pro Woche mittags mit meinem Nachbarn Herrn Pohl spazieren. Herr Pohl muss raus, weil sein steinalter Zwergpinschermischling Elise raus muss. Ich muss raus, weil mein mittelalter unterer Rücken vehement um Unterbrechung der sitzenden Tätigkeit bittet.

Herr Pohl ist ein stiller und sehr höflicher Mensch, und meistens ist er guter Dinge. Heute aber ist er ungehalten. „Sie müssen entschuldigen“, sagt er, „ich bin heute etwas unwirsch.“

„Nussecke?“, frage ich, denn das ist Herrn Pohls Lieblingsgebäck.

Die Schlange in der Bäckerei ist lang. An der Theke steht eine kleine alte Dame mit vielen Tüten, die längst dran wäre, von der Verkäuferin aber ständig übersehen wird, und immer, wenn die alte Dame gerade Luft holen will, um ihre Bestellung aufzusagen, drängelt sich ein anderer vor. „Entschuldigung“, rufe ich der Verkäuferin zu, „ich glaube, die Dame dort ist jetzt dran.“ Die Dame schaut mich an, als hätte ich sie aus einem tiefen Sumpf gezogen. „Zwei Mohnbrötchen, bitte“, sagt sie.

Der inneren Stimme lauschen?

Herr Pohl und ich gehen mit Nussecken weiter, und dann, im Park, kommt heraus, warum Herr Pohl so ungehalten ist. Es ist wegen etwas im Radio. Heute früh, berichtet Herr Pohl, erzählte eine Frau im Radio, dass sie vor Jahrzehnten mal eine Flugreise unternehmen wollte – und als sie schon auf der Treppe ins Flugzeug war, habe ihre innere Stimme ihr gesagt, dass sie um Himmels willen nicht in dieses Flugzeug steigen solle. Die Frau sei ihrer inneren Stimme gefolgt und habe auf dem Absatz kehrtgemacht – und dann sei die Maschine auf ihrem Flug abgestürzt. Seither, scheint es Herrn Pohl, spricht die Frau von nichts anderem mehr als von ihrer gehaltvollen inneren Stimme.

„Was sagt man dazu?“, fragt Herr Pohl. Er fragt das nicht ausdrücklich mich, sondern eher in die Luft. Weil die nicht antwortet, sage ich reflexhaft: „Ist doch toll“, ich sage es zähneknirschend, weil ich immer etwas neidisch auf Leute mit glasklaren inneren Stimmen bin, genauso übrigens auf...

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Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 4/2019: Die Kraft des Atmens
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