Big Brother hört dir zu!

​Unsere Stimme gibt einiges über unsere Persönlichkeit preis. Forscher und Unternehmen setzen daher zunehmend auf automatisierte Stimmanalysen.

Die Illustration zeigt eine Person, die einem Ohr etwas zuflüstert.
Automatisierte Spracherkennung ermöglicht die Erkennung von Persönlichkeitseigenschaften und psychischen Störungen. © Martin Nicolausson

Die Stimme am anderen Ende der Leitung wirkt freundlich, aber distanziert – die Fragen sind dafür umso persönlicher. „Wie haben Sie sich in der letzten Zeit gefühlt?“, erkundigt sich die Stimme vom Band bei mir. „Wie gehen Sie mit Herausforderungen um?“ „Was haben Sie in der letzten Zeit Schönes erlebt?“

Fünfzehn Minuten an Sprachdaten benötigt das Analyseprogramm, um sich eine Meinung über mich zu bilden. Die Software des Aachener Unternehmens Precire soll auf der Grundlage meiner Sprache und Stimme einen Einblick in mein Innenleben, meine Emotionen und meine Persönlichkeit liefern. Precire setzt seine Technologie bei großen Konzernen ein. Das Softwareunternehmen gibt den Firmen ein Feedback, welchen kommunikativen Eindruck die Führungskräfte vermitteln.

Außerdem setzt es die Software im Auftrag von Unternehmen bei Bewerbern ein, um deren Eigenschaften und Fertigkeiten einzuschätzen. Zwar geben die Interviewten vorher ihr Einverständnis. Aber datenschutzrechtlich könnte es unter Umständen dennoch einen tiefen Eingriff ins Persönlichkeitsrecht bedeuten. Schließlich stehen gerade Bewerber unter einem großen Druck, den Wünschen der Firmen zu entsprechen.

Stimmerkennung im Vorstellungsgespräch

Geht es nach Unternehmen wie Precire, sollen ausgerechnet emotionslose Maschinen unser Gemütsleben belauschen. Nicht nur in den Personalabteilungen, auch in der Marktforschung weckt unsere Stimme Begehrlichkeiten. Firmen wollen mit ihrer Hilfe...

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Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 12/2019: Räume der Seele
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