Wie Krisen die Kommunikation verschlechtern

Kommunikation: Gerade angesichts von heraufziehenden Krisen ist sie elementar. Doch sie kann auch dazu führen, dass Gefahren unterschätzt werden.

Heraufziehende Gefahren, ob eine Wirtschaftskrise oder eine Pandemie, fordern die menschliche Kommunikation besonders heraus. Das zeigte ein Onlinespiel mit knapp 2500 Teilnehmern.  

Sie wurden in 108 Gruppen aufgeteilt. Jeder Teilnehmer hatte Verbindung zu vier weiteren. Zusätzlich nahmen 168 Probanden teil, die allein spielten. In dem Spiel ging es darum, angesichts einer heraufziehenden Gefahr rechtzeitig zu evakuieren. Ein Gruppenmitglied wurde zuvor informiert, ob tatsächlich mit einem Unheil zu rechnen sei. Die anderen wussten nicht, ob die Gefahrenwarnung stimmte, sondern nur, dass einige Mitspieler näher unterrichtet waren.Die Teilnehmer konnten Informationen, die sie über das vermeintliche ­Desaster hatten, mit anderen teilen, indem sie safe oder danger anklickten. Wer sich für eine Evakuierung entschieden hatte, konnte keine Signale mehr senden.

Das Ergebnis: Die Möglichkeit, mit anderen in Kontakt zu sein, erwies sich als hilfreich und verhinderte unnötige Evakuierungen – aber nur dann, wenn kein Unheil passierte. Kam es doch zu dem Ereignis, evakuierten die Teilnehmer zu selten. Die Kontakte halfen nicht, der Gefahr auszuweichen. Darüber hinaus beobachteten die Forscher auch eine Diffusion von überwiegend falschen Informationen, dass die Situation sicher sei. Warnungen wurden dadurch übertönt. 

Hirokazu Shirado u.a.: Collective communication and behaviour in response to uncertain “danger” in network experiments. Proceedings of the Royal Society A: Mathematical, Physical and Engineering Sciences, 2020. DOI: 10.1098/rspa.2019.0685

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