Im Fokus: Aufsteigerkinder

Warum in Deutschland die Herkunft über die Karriere entscheidet und welche Rolle Scham spielt. Der Bildungsforscher Aladin El-Mafaalani im Interview.

Ein Dozent referiert vor Studierenden der Universität Leipzig
Manchmal wird die Ungleichheit von Lehrkräften sogar verstärkt. © picture alliance/dpa/Waltraud Grubitzsch.

Herr El-Mafaalani, am 1. September 2021 feierte das BAföG seinen 50. Geburtstag. Zu seiner Einführung wollte man mehr Durchlässigkeit im Bildungssystem erreichen: Mehr Arbeiterkinder sollten studieren. Ist das gelungen? 

Ja, das ist ganz bestimmt gelungen. Die Bildungschancen für Benachteiligte haben sich verbessert und das Studium ist für Nichtakademikerkinder zugänglicher geworden. Das kann man in Teilen auch auf das BAföG zurückführen. Gäbe es diese finanzielle Hilfe nicht, würden sich viele Menschen aus Milieus mit strukturellen Benachteiligungen gegen ein Studium entscheiden – selbst diejenigen, die ein richtig gutes Abitur haben. Deshalb ist das BAföG wirklich eine sinnvolle Sache.

Aber zahlreiche Studien belegen auch: Bildungschancen sind in Deutschland immer noch so stark abhängig von der eigenen Herkunft wie in fast keiner anderen Industrienation. Sind Maßnahmen wie das BaföG also nur ein Tropfen auf den heißen Stein?

Man muss leider festhalten, dass wir generell eine Gesellschaft sind, die extrem viel Ungleichheit zulässt. Auch in Bezug auf die ungleiche Verteilung von Vermögen oder Einkommen liegen wir weit über dem OECD-Durchschnitt. Unser Staat wirkt kaum ausgleichend, sondern reproduziert meist sogar Ungleichheiten.

Man könnte sagen, er sieht seine Aufgabe darin, die Menschen genau in der Lebenslage und Klasse abzusichern, in der sie sich befinden. Es geht also nicht um soziale Mobilität, sondern um soziale Sicherheit. Das gibt es in dieser krassen Ausprägung in kaum einem anderen westlichen Land. Das…

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Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 1/2022: Stille Aufträge
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