„Jeder Mensch hat einen heilen Kern“

Luise Reddemann gilt als eine Pionierin in der Traumatherapie. Sehr früh hat sie erkannt, dass Psychotherapeuten Menschen nicht helfen können, wenn sie sich nur mit deren Leid befassen, ihre Ressourcen aber vernachlässigen. Im Psychologie Heute-Interview spricht die Psychoanalytikerin über innere Bilder in der Therapie und warum sie sich aktuell mit der Situation der Kriegskinder und Kriegsenkel auseinandersetzt

„Jeder Mensch hat einen heilen Kern“

Luise Reddemann gilt als eine Pionierin in der Traumatherapie. Sehr früh hat sie erkannt, dass Psychotherapeuten Menschen nicht helfen können, wenn sie sich nur mit deren Leid befassen, ihre Ressourcen aber vernachlässigen. Im Psychologie Heute-Interview spricht die Psychoanalytikerin über innere Bilder in der Therapie und warum sie sich aktuell mit der Situation der Kriegskinder und Kriegsenkel auseinandersetzt

Frau Reddemann, Sie beschäftigen sich intensiv mit Ressourcenorientierung, mit Mitgefühl, Achtsamkeit und Würde in der Psychotherapie. Gibt es so etwas wie einen roten Faden in Ihrem Leben und in Ihrer Arbeit?

In der Apotheke meines Vaters stand auf einer Tafel der Spruch „Das Wohl des Patienten sei euer höchstes Gebot“. Dieser Spruch hat mich von Kindheit an begleitet, auch der Satz von Paracelsus „Der Arzt kuriert, und die Natur heilt“. Schon als zehnjähriges Mädchen wusste ich, dass ich Ärztin werden wollte. Das war sonnenklar. Ich hatte auch schon früh einen starken Gerechtigkeitssinn, als junge Ärztin habe ich mich bereits für die Würde der Patienten eingesetzt. Mir war früh klar, dass Therapeuten auf dem Holzweg sind, wenn sie glauben, sie wüssten, was gut ist für den Patienten, und womöglich noch über dessen Kopf hinweg entscheiden. Natürlich bin ich auch Irrwege gegangen, und manchmal war ich davon überzeugt, es besser zu wissen, und wollte missionieren. Aber etwas in mir hat mich immer gewarnt, vorsichtig zu sein und vielleicht doch eher die innere Weisheit des Patienten zu befragen.

Sie haben die psychodynamisch-imaginative Traumatherapie entwickelt, einen Ansatz, der unter anderem mit der Kraft innerer Bilder arbeitet. Wie sind Sie auf die Idee gekommen, dass heilsame Bilder hilfreich sein können, um mit Belastendem fertigzuwerden?

Bevor ich Psychoanalytikerin wurde,...

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Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 2/2017: Schon in Ordnung
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