Blind durch Stress?

Ärger, Schlaflosigkeit und Ermüdung können zum Verlust des Sehsinns führen.

Das erschüttert den stärksten Sehsinn

Vor drei Jahrtausenden befasste sich der indische Gelehrte Susruta mit den Ursachen von Blindheit. Schlaflosigkeit, Ärger, körperliche und geistige Ermüdung – sie alle könnten zum Sehverlust führen, so Susruta.

Stress raubt das Augenlicht – klingt abwegig? Medizinpsychologen der Universität Magdeburg haben jetzt zwei Fallgeschichten dokumentiert. So habe eine 78-jährige Frau mit Vorerkrankungen auf beiden Augen aufgrund von Stress schweren Sehverlust erlitten: Als ihr Mann plötzlich lebensgefährlich erkrankte und operiert werden musste, verschlechterte sich anderntags ihr Sehvermögen auf dem rechten Auge so stark, dass sie nur noch Umrisse erkennen konnte. „Obwohl andere Faktoren beigetragen haben können, war Stress der zentrale Auslöser dieses Sehverlustes“, schreiben die Forscher um Bernhard Sabel. Zur eingeleiteten Therapie zählten Entspannung, Verbesserung der Blutzirkulation sowie psychologische Unterstützung zur Stärkung der Resilienz. „Bereits zur Mitte der Behandlungsdauer berichtete die Patientin von einer Verbesserung ihres Zustandes“, so die Forscher. Ihr Sehfeld war zwar weiter eingeschränkt, aber sie nahm mehr als bloße Formen wahr und konnte etwa Straßenschilder erkennen.

„Akuter sowie chronischer Stress kann den Erblindungsprozess auslösen beziehungsweise den Sehverlust vorantreiben“, berichtet Sabels Team auch nach der Sichtung von 139 internationalen Studien. Offenbar spielen Stresshormone wie Kortisol eine wichtige Rolle. Sie initiieren wohl Prozesse des Immunsystems, die Teile des Sehsystems beeinträchtigen können.

DOI: 10.1007/s13167-018-0136-8

Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 10/2018: Geschwister
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