Futtern für die Seele

Bei Stress und Frust greifen wir oft zu Chips, Schokolade & Co. Warum beeinflussen Emotionen unseren Appetit und wie essen wir wieder ausgewogen?

Eine Frauenhand greift in eine Donutschachtel und holt sich einem Donut mit grüner Glasur heraus
Bei Stress greifen wir schnell zu Süßigkeiten, wie saftige Donuts. Doch ist das die beste Option? © Oscar Wong/Getty Images

Vielleicht haben Sie diese Erfahrung auch schon gemacht: Man hat sich über etwas geärgert, fühlt sich frustriert oder überfordert und greift automatisch zu Schokoriegel oder Kartoffelchips – je süßer, fett- und kalorienreicher, umso besser. Wird man von heftigen Gefühlen gebeutelt, schlägt der Appetit bisweilen seltsame Kapriolen, vor allem negative Emotionen wie Stress, Einsamkeit, Trauer oder Langeweile scheinen den Weg Richtung Kühlschrank zu bahnen. Im Englischen bezeichnet man dieses Essverhalten als Comfort Eating, hierzulande sprechen Fachleute vom emotionalen Essen.

Auf den ersten Blick ist das kein großes Problem, denn man hilft sich mit einer im Grunde harmlosen Strategie über die vielen kleinen Krisen und Unannehmlichkeiten des Alltags hinweg. Ein im Affekt verdrücktes Tortenstück ist harmloser als viele andere Frustreaktionen wie Aggressionen oder sozialer Rückzug. Und auch der Volksmund betont ja, dass Essen und Trinken Leib und Seele zusammenhielten. So sind üppige Mahlzeiten quer durch alle Kulturen mit Emotionen verknüpft: beim Feiern, als Belohnung, zur Entspannung, Versöhnung oder als seelisches Trostpflaster.

Aber: Die Dosis macht auch hier das Gift, denn viele Menschen benutzen Nahrungsmittel, um dauerhaft unangenehme Gefühle zu regulieren. Ernährungspsychologen wie Joachim Westenhöfer von der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg sehen Probleme vor allem dann entstehen, wenn Betroffene keine Alternativen mehr haben, um mit negativen Emotionen umzugehen. Denn dann kann dieses Essverhalten – über Jahre hinweg praktiziert – zu Übergewicht und Fehlernährung führen; und die Folgen gehen dann weit über ein bisschen „Kummerspeck“ hinaus. Das schafft auf Dauer mehr Schwierigkeiten, als es – ohnehin nur vordergründig – löst. Zum schlechten Gewissen kommt die Gewichtszunahme, die wiederum negative Gefühle auslöst und so in eine psychische Abwärtsspirale führen kann.

Hinzu kommt: Die miese Laune wird durch Naschattacken zwar etwas aufgehellt, doch deren Ursachen werden natürlich nicht beseitigt. Wer auf Ärger mit dem Chef, dem Ehepartner oder den Kindern immer wieder mit dem Griff zur Chipstüte reagiert, anstatt die Schwierigkeiten anzusprechen oder die…

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Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 1/2014: Zufriedenheit
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