„Immer auch Selbsterfahrung“

Natur wird in der Psychotherapie zu wenig genutzt, sagt Psychotherapeut und Forscher Hilarion Petzold. Das Potenzial sei groß, der Nutzen vielfältig.

Foto zeigt Hand, die eine schöne Naturerfahrung macht, indem sie einen im Gras liegenden Hund streichelt
Die Begegnung mit Natur, Pflanzen, Tieren, kann auch unserer Psyche maßgeblich positiv beeinflussen. © Getty

Herr Professor Petzold, in den Großstädten gibt der Öko-Hipster den Trendsetter in Sachen Lifestyle, neue Outdoor-, Garten- und Landschaftsmagazine finden Millionen Leser, im Party-Smalltalk heißt cool immer öfter stay green: Ist das von Ihnen propagierte going green in der Psychotherapie ein modisches Label – oder verbirgt sich eine reale Bewegung dahinter?

Die integrative Therapie hat alle Formen der Naturtherapie wie tiergestützte, garten-, wald- oder landschaftstherapeutische Interventionen schon seit Ende der 1960er Jahre aufgegriffen und praktiziert. In den letzten Jahren haben wir diese naturtherapeutischen Ansätze mit Bezug auf Evolutionspsychologie, Neurobiologie, Ökologie und Ethik im Rahmen der „dritten Welle“ integrativer Therapie mit einem Schwerpunkt „integrative Naturtherapie“ weiterentwickelt. Dabei geht es – natürlich – um den Menschen in seinem Naturbezug.

Neben kreativtherapeutischen Methoden werden in der modernen Psychotherapie und Psychiatrie naturtherapeutische Verfahren immer wichtiger, weil die in ihnen wirksam werdende Erlebnisaktivierung enorme heilsame und gesundheitsfördernde Effekte zeigt: Stressreduktion und psychophysische Entspannung, seelische Beruhigung und Gelassenheit, körperliche Lebendigkeit und geistige Wachheit, Freude und Heiterkeit des Gemüts. Gleichzeitig werden die Sinne aktiviert und stimuliert, es kommt zu einem generalisierten Wohlgefühl und einer körperlichen, seelischen und geistigen Frische.

Auch wenn die von Richard Louv vor einigen Jahren formulierte „Naturdefizitstörung“ noch keine anerkannte Diagnose ist, sollte man dem dramatisch zunehmenden Naturmangel gerade bei jungen Menschen große Aufmerksamkeit schenken: Natur und Naturerleben sind ein Gesundbrunnen – ein in vielen...

Den kompletten Artikel können Sie bei uns kaufen oder freischalten.

Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute Compact 54: Natur & Psyche
print

News

Beziehung
Wir können Liebesgefühle bewusst verstärken oder abschwächen, so das Ergebnis einer neuen Studie. Ist das hilfreich bei unfreiwilligen Trennungen?
Leben
Ein angeschlagenes Selbstwertgefühl ist nicht schön, hat aber den Vorteil, dass wir dann mit unserem Geld vorsichtiger umgehen.
Gesundheit
Je mehr der Mensch verzeiht, desto gesünder ist er. Zu diesem Fazit kommen Forscher nach der Auswertung von 128 Studien mit 58.000 Probanden.