„Das Internet ist klasse, aber alles andere als harmlos“

Bert te Wildt, Medienforscher, Psychiater und Suchtexperte, war lange skeptisch, ob Internetabhängigkeit eine Suchterkrankung ist. Jetzt ist er davon überzeugt

„Das Internet ist klasse, aber alles andere als harmlos“

Bert te Wildt, Medienforscher, Psychiater und Suchtexperte, war lange skeptisch, ob Internetabhängigkeit eine Suchterkrankung ist. Jetzt ist er davon überzeugt

Herr te Wildt, manchmal vergesse ich mein Smartphone. Und spüre trotzdem ein Vibrieren in der Jackentasche, wo es normalerweise steckt, und greife dann dorthin. Muss ich mir Sorgen machen?

Das Phänomen kenne ich. Es ist ein Zeichen dafür, wie stark sich die digitalen Medien und Geräte bis ins Körperliche hinein in uns breitgemacht haben und wie abhängig wir von ihnen geworden sind – auch im nichtkrankhaften Sinne.

Sollte man das Smartphone ab und an zu Hause lassen? Also digital detox – Smartphone-Entgiftung – betreiben?

Auf jeden Fall. Für jeden Menschen ist es sinnvoll, sich medienfreie Zeiten einzurichten. Das kann man in ganz großem Stil machen, beispielsweise einmal im Jahr für ein paar Wochen im Urlaub, im Sinne von Medienfasten. Aber es ist auch im Kleinen sinnvoll: an einem Tag in der Woche, am besten sonntags, gar keine digitalen Medien zu nutzen und sich auch jeden Tag Zeiten ohne digitale Medien einzurichten. Ich versuche das in der ersten und letzten Stunde des Tages zu machen. Damit komme ich besser in den Tag hinein und auch besser in die Nacht. Es gibt erste Studien, die belegen, wie sinnvoll das für die Psychohygiene ist.

Warum fällt aber genau das vielen, gerade jüngeren Menschen so schwer?

Jüngere sind schon ganz anders mit und in der digitalen Welt groß geworden. Für diese digital natives ist der Cyberspace zu einer zweiten Lebensumwelt geworden und auch zu einer Art Psychowerkzeug, einer Verlängerung…

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Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 6/2015: Gemeinsam glücklich
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