Wir naiven Welterklärer

Von Geburt an stellen wir intuitiv Theorien über das Leben und die Welt auf. Und meistens sind sie falsch.

Eigentlich kann man Strom nicht verbrauchen: Doch wozu zahle ich dann meine Stromrechnung? © Sascha Düvel

Wir naiven Welterklärer

Wenn die Erde eine Kugel ist – umschließt sie uns dann nicht wie ein Aquarium? Von Geburt an bilden wir „intuitive Theorien“ über das Leben und die Welt. Und die sind meist falsch. Warum tun wir uns mit Wissenschaft so schwer?

Eine Pistolenkugel wird parallel zum Horizont abgeschossen, eine andere im gleichen Moment fallengelassen. Welche kommt zuerst auf dem Boden an? Die fallengelassene natürlich, denn die abgeschossene wird von ihrem Schwung ja länger in der Luft gehalten! So hätte dies vielleicht Johannes Philoponos erklärt, ein Philosoph, der im sechsten Jahrhundert in Alexandria lebte: Damit sich etwas bewegen kann, muss ihm eine Kraft mitgegeben werden, ein Impetus, der sich im Laufe der Bewegung verbraucht. Im Mittelalter hielt man die Impetustheorie eine Zeitlang für richtig, spätestens seit Newton gilt hingegen: Kraft ist nur nötig, um Bewegung zu ändern, nicht um sie aufrechtzuerhalten. Also: Dass die Pistolenkugel auch waagerecht davonschießt, ist (wenn man mal vom Luftwiderstand absieht) für ihre Fallgeschwindigkeit irrelevant: Auf die abgeschossene wie auf die fallende Kugel wirkt gleichermaßen die Schwerkraft ein. Und die holt beide Kugeln gleich schnell herunter.

Wir leben in einer Wissensgesellschaft. Immer mehr Menschen machen Abitur und studieren. Die Ergebnisse wissenschaftlicher Forschung ermöglichen das Leben, das wir führen, sind zentral für Mobilität, Kommunikation, Medizin und Landwirtschaft. Dennoch passt das Weltbild des Normalverbrauchers...

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Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 6/2018: Diese Wohnung tut mir gut!
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