Gemeinsam im Stress

Soziale Kontakte sind wichtig. Aber unsere Mitmenschen stressen uns auch. Wie gelingt es, gelassen zu bleiben?

Berufspendler, die sich während der Fahrt mit anderen unterhalten, fühlen sich entspannter. © Oliver Weiss

Gemeinsam im Stress

Wir sind soziale Wesen und brauchen Kontakt. Doch die Gegenwart anderer Menschen sorgt auch für Stress: Ständig müssen wir reagieren, uns ­anpassen, uns durchsetzen. Wie gelingt es da gelassen zu bleiben?

Corinna Schmitz hat es eilig. Ihre Finger trommeln nervös aufs Lenkrad. Als der Wagen vor ihr an der noch gelben Ampel bremst, unterdrückt sie einen leisen Fluch. Sie muss ihren Sohn von der Nachmittagsbetreuung im Kindergarten abholen. Und sie ist viel zu spät dran, wieder einmal. Das Telefonat mit einem wichtigen Kunden hat sie aufgehalten. Vorgestern hat ihr Sohn sie gefragt, warum er immer als Letzter abgeholt werde. Die Erzieherinnen haben sie neulich schon säuerlich zur Pünktlichkeit ermahnt. Eigentlich wünscht sie sich bei all den Anforderungen nichts mehr als einen ruhigen Abend auf der Couch. Doch ausgerechnet heute muss sie zum Chor – in zwei Wochen ist der Auftritt, für den sie alle schon so lange proben. Sie kann die anderen doch nicht hängenlassen.

Corinna Schmitz gibt es nicht. Und doch ist sie keine reine Erfindung. Denn ihre Erfahrungen dürften den meisten von uns nicht fremd sein. Viele Menschen fühlen sich heute fast permanent gestresst, auch und vor allem durch die Auseinandersetzung mit anderen. Wir sind soziale Wesen, wir suchen und brauchen Gemeinschaft. Doch das Zusammenleben mit anderen ist für uns auch anstrengend. Der Druck, der dadurch entsteht, durchzieht unseren Alltag – oft ohne dass es uns wirklich bewusst wird. „Die meisten Stressoren, denen wir in unserer westlichen Gesellschaft heute ausgesetzt sind, sind sozialer Natur“, sagt Veronika Engert, die am Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig das Social Stress Lab leitet. Wie können wir uns davon freimachen? Wie finden wir trotzdem eine innere Balance?

Sozialer Stress ist allgegenwärtig

Sozialen Stress, also Stress, der aufgrund von vornehmlich sozialen Faktoren entsteht, empfinden wir immer dann, wenn wir unser Beziehungsgefüge oder unsere Position in der Gruppe in Gefahr sehen. Das kann zum Beispiel bei einem Streit mit dem...

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Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 7/2018: Kann ich mich ändern?
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