Der Umwelt sehr nahe

​Sie reiten auf haushohen Wellen und bezwingen Gipfel ohne Hilfsmittel und Sicherungsseil. Extremsportler beeindrucken durch ihre Kraft und Furchtlosigkeit. Sie rufen aber auch das Vorurteil wach, sie seien leichtsinnige Draufgänger. Eine neue Studie räumt mit diesem und anderen Klischees auf. ​

Hier steht die Bildunterschrift

Sie reiten auf haushohen Wellen und bezwingen Gipfel ohne Hilfsmittel und Sicherungsseil. Extremsportler beeindrucken durch ihre Kraft und Furchtlosigkeit. Sie rufen aber auch das Vorurteil wach, sie seien leichtsinnige Draufgänger. Eine neue Studie räumt mit diesem und anderen Klischees auf. „Extremsport scheint ein hochbelebendes und fast transzendentales Erlebnis“, schreiben die Forscher Eric Brymer und Robert Schweitzer.

Ihre Untersuchung beruht auf Gesprächen mit 15 Extremsportlern aus Europa, Australien und Nordamerika. Fünf der Teilnehmer waren Frauen. Das Alter der Probanden lag zwischen 30 und 70 Jahren. „Es wird zu Unrecht angenommen, alle Extremsportler seien jünger als 30 und männlich“, betont das britisch-australische Forscherteam.

Die Wissenschaftler stellten allgemein formulierte Fragen („Wie erleben Sie Ihre sportliche Betätigung?“„Was macht diese mit Ihnen?“) und ließen die Adressaten frei erzählen. So berichtete eine Teilnehmerin, die mit dem Fallschirm von Wolkenkratzern und ähnlich hohen Objekten springt, dass sie ihre Umwelt während des Falls in Zeitlupe wahrnimmt. Obgleich sie mit bis zu 250 Stundenkilometern zur Erde rast, kann sie zahlreiche Details wahrnehmen und richtig wiedergeben.

„Extremsport scheint die Wahrnehmung zu verändern und den B ewusstseinszustand zu erweitern“, halten die Forscher fest. „Die Probanden gehen in der Tätigkeit auf und empfinden eine außergewöhnliche gesteigerte Präsenz und Unmittelbarkeit.“ Fernab des Klischees, es gehe ihnen um Risiko und Adrenalin, gaben die Befragten an, dass sie sich dank des Extremsports ihrer Umwelt sehr nahe und verbunden fühlen – und eins mit ihr werden, statt sie als Gefahr zu empfinden. Um explizit religiöse Erlebnisse scheint es sich jedoch nicht zu handeln, so die Forscher, denn die Interviewten sahen sich „durch die Aktivität nicht mit einem höheren Wesen oder Gott in Verbindung gebracht“. Anna Gielas

DOI: 10.1037/cns0000111

file_download print

News

Gesundheit
​Wer sich permanent energielos fühlt, kann dies teilweise auf sein Immunsystem zurückführen. Insbesondere ein Botenstoff schmälert die Motivation.
Leben
Wie können wir dafür sorgen, dass weniger Essen im Müll landet? Planung spielt hierbei eine wichtige Rolle, so österreichische Wissenschaftler.
Leben
Eine neue Studie zeigt: Im REM-Schlaf, wenn wir träumen, verarbeiten wir aufrüttelnde Erlebnisse des Tages – es sei denn, wir werden daran gehindert ...