An Krisen wachsen

Der Tod des Partners oder eine Kündigung kann uns den Boden unter den Füßen wegziehen. Doch wie gehen wir damit um?

Die Illustration zeigt eine Frau, die aus einer tiefen Schlucht auf einer Leiter hinauf klettert auf den Gipfel
Der Weg aus dem Tief ist beschwerlich und doch lohnenswert. © Luisa Jung

Mit 45 Jahren war Sheryl Sandberg Topmanagerin bei Facebook, besaß etwa eine Milliarde Dollar und wurde vom US-Nachrichtenmagazin Time zu den hundert einflussreichsten Personen der Welt gezählt. Im Frühling 2015 war sie mit ihrer Familie zu Gast in einem Haus eines Freundes am Strand von Mexiko. An einem geruhsamen Nachmittag vermisste sie ihren Mann Dave, den sie einige Stunden nicht gesehen hatte.

Schließlich rannte sie mit Schwager und Schwägerin in den Fitnessraum. Dort lag er regungslos neben dem Crosstrainer, eine kleine Blutlache unter seinem Kopf. Sie fuhr im Rettungswagen mit und flehte den Arzt an, er solle doch sagen, dass Dave noch lebe. Doch im Krankenhaus konnten die Mediziner ihr nur noch den Tod des Vaters ihrer Kinder mitteilen.

Sie musste es ihrem zehnjährigen Sohn und ihrer siebenjährigen Tochter sagen. Die beiden schrien auf, die Mutter stimmte ein. Die Trauer blieb über Monate immer da. „Schwelend, schwebend, schwärend. Dann erhob sie sich wie eine Woge, packte mein Herz und versuchte, es mir aus dem Leib zu reißen. In solchen Momenten glaubte ich, den Schmerz keine Minute länger aushalten zu können, geschweige denn noch eine weitere Stunde.“ Oft sah sie im Geist Dave im Fitnessraum liegen. Einmal, am Strand, meinte sie in den Wolken das Gesicht ihres verstorbenen Mannes zu erblicken.

So schildert Sheryl Sandberg diese Schreckenszeit in ihrem Buch Option B, das sie zusammen mit dem befreundeten Psychologieprofessor Adam Grant von der University of Pennsylvania geschrieben hat.

Kein Verdrängen und Vergessen

Viele Menschen erleben traumatische Erfahrungen. Als...

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Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 6/2020: An Krisen wachsen
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