Dem Ärger auf den Grund gehen

Manchmal bricht die Wut aus uns heraus. Doch woher kommt diese heftige Emotion? Vier Auslöser spielen eine wichtige Rolle.

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Wenn Louis de Funès nach allen Regeln der Schauspielkunst ausrastet und dabei im Zeitraffer das gesamte Ausdrucksrepertoire des Gewohnheitscholerikers abarbeitet, können wir darüber herzlich lachen. Und auch noch elf Jahre danach schauen wir uns schmunzelnd Rudi Völlers berühmte „Scheißdreck“-Tirade im Fernduell mit Netzer und Delling auf YouTube an. Wir finden diese Ausbrüche komisch, weil allzu menschlich. Denn wer von uns verliert nicht manchmal die Contenance? Die eine seltener, der andere ziemlich oft. Jeder hat sein „emotionales Äquilibrium“, seine persönliche Sollbruchstelle, bis zu der er stressige Situationen auf eine kontrollierte und vernünftige Weise handhaben kann.

Wehe, wenn diese Grenze überschritten wird! „Wut kann, das ist auffällig, lange gezügelt werden, dann aber plötzlich wild und heftig losbrechen“, schreibt der Neurowissenschaftler Giovanni Frazzetto in seinem Buch Der Gefühlscode. Ist der Damm gebrochen, rasten wir aus. Und das ist dann im realen Leben meist gar nicht komisch, mitunter sogar tragisch. In diesem Zustand sagen oder tun wir Dinge, die wir später bitter bereuen. Mancher und manchem kosten sie den Job, die Ehe, die Zuneigung der Kinder. „In allen ihren Formen hat Wut moralische Konsequenzen“, schreibt Frazzetto. „Wer seiner Wut nachgibt, muss damit rechnen, dass dies Folgen hat für seine Stellung im gesellschaftlichen Leben, dass seine Beziehungen zu anderen Menschen Schaden nehmen.“

Was passiert in diesen folgenreichen Momenten? „Die emotionalen Eruptionen scheinen aus dem Nichts zu kommen und von einem Moment zum nächsten das Regiment zu übernehmen“, so schildert es die Familientherapeutin Judith Siegel, Dozentin an der New York University. „Manchmal sind unsere...

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