„In E-Mails sind wir ziemlich ehrlich“

Die sozialen Medien haben die Art und Weise verändert, wie Menschen miteinander kommunizieren. Zum Beispiel beeinflussen sie den Umgang mit der Wahrheit. Aber anders, als wir gemeinhin vermuten, behauptet der aus Kanada stammende Psychologe Jeff Hancock

„In E-Mails sind wir ziemlich ehrlich“

Die sozialen Medien haben die Art und Weise verändert, wie Menschen miteinander kommunizieren. Zum Beispiel beeinflussen sie den Umgang mit der Wahrheit. Aber anders, als wir gemeinhin vermuten, behauptet der aus Kanada stammende Psychologe Jeff Hancock

Herr Professor Hancock, Sie erforschen, wie wir mit Wahrheit, Lüge und Täuschung umgehen. Wieso gerade dieses Thema?

Das begann in meiner Zeit als Student. Damals haben die kanadischen Behörden Leute gesucht, die beim Zoll aushelfen. Zusammen mit meinem besten Freund habe ich mich beworben – und plötzlich waren wir für zwei Jahre beim Zoll. Manchmal sage ich heute im Scherz: „Ich habe Kanada mit einem Stempel verteidigt.“ Das war jedenfalls das erste Mal, dass ich beruflich mit dem Thema Lüge und Täuschung in Berührung gekommen bin.

Wie war das damals beim Zoll? Haben die Leute viel gelogen?

Das merkt man ja nur, wenn man jemanden erwischt. Vermutlich haben viele mir was vorgeschwindelt und sind damit durchgekommen.

Die meisten Laien glauben, dass sie einen Lügner ganz gut erkennen können. Dass man es an den Augen sieht oder an einer zappeligen Körpersprache. Man denkt, es läuft wie bei Pinocchio, dessen Nase länger wird, wenn er schwindelt.

Dazu gibt es sehr viele Untersuchungen. Tatsächlich erkennen wir eine Lüge nur in 54 Prozent aller Fälle. Genauso gut könnte man eine Münze werfen – Kopf oder Zahl? Deshalb meine Antwort: Ja, die Leute glauben, sie könnten eine Lüge erkennen. Und: Nein, sie können es nicht.

Sie erforschen…

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Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 8/2016: Die Harmonie-Lüge
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