Ich schaff das schon

Tatsächlich? Wer lernt, Hilfe anzunehmen, verliert alte Überzeugungen und gewinnt einen neuen Blick auf sich selbst.

Die Illustration zeigt zwei Frauen, die sich mit einem Arm umarmen und mit der freien Hand gemeinsam eine Kugel halten, sich gegenseitig unterstützen.
Die Balance zwischen Geben und Nehmen ist wichtig und stärkt unsere Beziehung zu Anderen. © Maggie Stephenson

Wie reagieren Sie, wenn Ihre Kollegin Ihnen anbietet, etwas für Sie zu erledigen? Freuen Sie sich? Lächeln Sie und sagen: „Das ist aber nett von dir, das entlastet mich sehr. Vielen Dank!“, und genießen das gute Gefühl, dass jemand Ihre Arbeitslast bemerkt und Ihnen den Tag aufhellt? Oder wehren Sie freundlich, aber bestimmt ab: „Danke, nicht nötig, ich schaff das schon.“ Werden Sie vielleicht sogar misstrauisch? „Die denkt wohl, ich krieg das nicht allein geregelt. Will sie etwa den Urlaub mit mir tauschen?“

Wenn Sie bei Unterstützungsangeboten routiniert abwinken, fühlen Sie sich vielleicht auch unbehaglich, wenn Sie ein größeres Geschenk bekommen – Sie denken: „Das habe ich nicht verdient. Das kann ich nicht annehmen.“ Wahrscheinlich sind Sie dann auch gut darin, Komplimente über Ihr Aussehen an sich abprallen zu lassen, statt sich einfach darüber zu freuen.

Wenn wir Fürsorge ablehnen

Der amerikanische Psychotherapeut John Amodeo findet es erschreckend, dass wir im Laufe unseres Lebens so viele Strategien entwickeln, Fürsorge von anderen abzuwehren. „Ich arbeite seit 40 Jahren als Therapeut, und es macht mich traurig zu sehen, wie viele meiner Patienten die Freundlichkeit, die ihnen täglich angeboten wird, nicht annehmen können.“

Viele haben, vermutet er, die christliche Überzeugung verinnerlicht, Geben sei seliger als Nehmen. Dieses ethische Prinzip bewahrt uns davor, allzu egoistisch zu werden und stets nur auf unseren eigenen Vorteil zu schielen. Doch die Kehrseite birgt ebenfalls Risiken: „Tiefsitzende Blockaden…

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