Tief berührt

Ein Mediziner untersuchte, was uns ehrfürchtig werden lässt und wie häufig verschiedene Altersgruppen diese Emotion erleben.

Wir empfinden Ehrfurcht und Dankbarkeit, wenn wir das Gefühl von großer Weite haben und den Eindruck, darin sehr klein zu sein. Dies legen psychologische Forschungsergebnisse nahe.

Der Mediziner Arndt Büssing, Professor an der Universität Witten/Herdecke, erforschte Ehrfurcht nun auf der Grundlage einer anderen Definition: Wer von besonders schönen Anblicken oder dem bewundernswerten, wohltuenden, mutigen oder selbstlosen Verhalten anderer Menschen tief emotional berührt wird, empfindet nach seiner Auffassung ebenso Dankbarkeit und Ehrfurcht. Die Auswertung der Daten von rund 8000 Befragten zeigte: Teilnehmende, die das erleben konnten, berichteten von mehr Wohlbefinden und Achtsamkeit.

Aber das Erleben von Ehrfurcht und Dankbarkeit schwankte beträchtlich. Diejenigen mit wenigen Erfahrungen dieser Art waren im Durchschnitt relativ jung. Diejenigen mit vielen Erlebnissen, die sie ehrfürchtig gemacht hatten, waren deutlich älter, und bei ihnen war das Wohlbefinden ausgeprägter. Der Forscher fand zudem Hinweise, dass diejenigen, die zu wenig Ehrfurcht und Dankbarkeit neigten, häufiger von depressiven Zuständen berichteten.

Literatur

Arndt Büssing: Wondering awe as a perceptive aspect of spirituality and its relation to indicators of well-being: Frequency of perception and underlying triggers. Frontiers in Psychology. DOI: 10.3389/fpsyg.2021.738770

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Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 3/2022: Burn on
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