Unser Gefühl für Rhythmus

Ein Forscher stellt Hypothesen vor, wie sich im Verlauf der Evolution Rhythmus und Tanzen entwickelt haben könnten.

Walzer im Dreivierteltakt und Quickstepp im Viervierteltakt: Musik und Metrik geben uns den Rhythmus vor, nach dem wir tanzen. Doch zu Beginn der Menschheitsgeschichte habe man sich wahrscheinlich nur nach eintönigen Taktschlägen bewegt, sagt der Psychologe Steven Brown von der kanadischen McMaster University.

In einer Überblicksstudie stellt er neue Überlegungen dazu vor, wie sich im Verlauf der Evolution unser Gefühl für Rhythmus und später das Tanzen entwickelt haben könnten. Brown glaubt, dass alles damit begann, dass einzelne Menschen mit dem Körper einen Takt vorgaben: Sie klatschten oder stampften mit den Füßen, wozu sich dann die anderen bewegten und sich dabei gegenseitig nachahmten.

Der Mensch, schreibt der Forscher, sei das einzige Lebewesen, das bewusst verschiedene Rhythmen erzeugen kann, im Laufe der Zeit wurden dafür auch Schlaginstrumente entwickelt. In dem gemeinsamen sich gegenseitig imitierenden Bewegen zu rhythmischen Schlägen liege wohl der Ursprung der heutigen großen Vielfalt des Tanzens.

Und die Musik? Die menschliche Stimme sei aus der Perspektive der Evolution die ursprüngliche Quelle, schreibt Brown. Gesungen wurden wohl zunächst nur einzelne Töne in unterschiedlichen Höhen, dann Melodien gebildet und später auch Instrumente gebaut. Irgendwann hätten das Singen und Spielen von Melodien das rhythmische Tanzen „vereinnahmt“ – oder umgekehrt. Seitdem seien Tanz und Musik fest miteinander verbunden.

Literatur

Steven Brown: Group dancing as the evolutionary origin of rhythmic entrainment in humans. New Ideas in Psychology, 64, 2022. DOI: 10.1016/j.newideapsych.2021.100902.

Artikel zum Thema
Gesundheit
​Tanzen hilft uns, Lebensübergänge zu meistern, Ängste zu mildern und unsere Gefühle besser zu kommunizieren.
Leben
In einem Forschungsprojekt wurde der Werdegang von Kindern verfolgt, die gezielt ein Instrument er­lernten – mit erstaun­lichen Ergebnissen
Leben
Extremsportler beeindrucken durch ihre Kraft und Furchtlosigkeit. Aber sie gelten auch als leichtsinnige Draufgänger. Was ist dran an solchen Klischees?
Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 3/2022: Burn on
Anzeige
Psychologie Heute Compact 77: Innere Ruhe