Die unglücklichen Schinder

Ihr Chef behandelt Sie schlecht? Dann geht es ihm wohl selbst nicht gut. Wie sich Führungsstil und Wohlbefinden von Vorgesetzten beeinflussen.

Eine neue Studie bietet Trost für Beschäftigte mit einem Chef, der sie schlecht behandelt: Der Mann oder die Frau ist wahrscheinlich selbst nicht glücklich. Das ist ein Ergebnis einer großen Auswertung von 88 Untersuchungen.

Der Befund gilt nicht nur für jene Führungskräfte, die aktiv aus der Rolle fallen, indem sie ihre Untergebenen heruntermachen oder schikanieren. Auch passive Chefs, die ihre Mitarbeiter hängen- und die Dinge laufenlassen, erweisen sich als wenig zufrieden mit dem Leben. Allerdings ist derzeit noch nicht geklärt, was zuerst kommt: Ist ein hinderlicher Führungsstil auf Dauer unbekömmlich, etwa weil sich die Mitarbeiter im Rahmen ihrer Möglichkeiten revanchieren – oder sind schlechte Chefs von vornherein übellaunige Charaktere?

Kurz oder langfristig zufrieden?

Im Gegensatz dazu führen gute Chefs meist ein glücklicheres Leben. Dabei sind Führungskräfte, die auf Veränderungen abzielen und ihr Team entsprechend antreiben, auf kurze Sicht besonders zufrieden. Auf die Dauer kann das allerdings anstrengend sein und an den Nerven zehren. Kurzfristig ebenfalls recht glücklich sind typischerweise die beziehungsorientierten Führungskräfte. Sie kümmern sich intensiv um ihre Untergebenen. Auf lange Sicht kann allerdings auch dieser Stil zu viel Kraft kosten. Gemäßigt positiv fallen die Ergebnisse für Chefs aus, die vor allem darauf achten, dass alle ihre Arbeit erledigen.

Das Glück des Chefs als Gesundheitsmaßnahme der Firma

Lange hatte sich in Forschung und Firmen kaum jemand für das Glück und die Gesundheit von Führungskräften interessiert. Erst in den letzten Jahren hat sich das geändert. „Es wurde sogar als eine Art Tabuthema gesehen, da es nicht unseren Erwartungen entspricht, dass Führungskräfte über eigene Belastungen und Stress sprechen“, sagt die Psychologin Antonia Kaluza von der Universität Frankfurt, Hauptautorin der Studie. Aus den Erkenntnissen leitet sie auch einen Rat für die Praxis ab: „Da das Führungsverhalten Auswirkungen auf die Leistung, aber auch auf das Wohlbefinden der Mitarbeiter hat, ist die Förderung des Wohlbefindens von Führungskräften ein wichtiger Ansatzpunkt für Gesundheitsmaßnahmen in Unternehmen.“

DOI: 10.1080/02678373.2019.1617369

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Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 11/2019: Mut zur Angst
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