Wieder normal arbeiten

Arbeit tut nicht immer gut. Unter bestimmten Umständen aber doch. Wie es Befragten nach einer Krebsbehandlung nach ihrer Rückkehr erging.

Arbeit kann psychische Probleme (mit)verursachen, oft geht es um Burnout, Depressionen, Ängste. Wer jedoch nach einer Krebsbehandlung wieder zur Arbeit zurückkehrt, für die oder den stellt sich die Lage völlig anders dar: Wieder arbeiten heißt hier, sich etwas Gutes zu tun, ein Stück normales Leben zurückzugewinnen. Das wirkt sich messbar positiv aufs Wohlbefinden aus, wie eine Studie nahelegt, an der Forscherinnen und Forscher von mehreren großen Universitätskliniken mitwirkten. Diejenigen Befragten, die ein Jahr nach Beginn ihrer Therapien wieder arbeiteten, waren signifikant weniger depressiv, ängstlich oder gestresst, als diejenigen, die nicht zurückkehrten. Insgesamt konnten 317 der insgesamt 430 interviewten Personen zwischen 20 undi65 Jahren ein Jahr nach der ersten Befragung wieder in den Beruf zurückkehren. Ob sie das taten, hing von ihrem gesundheitlichen Zustand ab, je besser er war, desto wahrscheinlicher die Rückkehr. 

Die Arbeit tut gut

Die Erklärung für den besseren psychischen Zustand der Rückkehrerinnen und Rückkehrer liege jedoch auch in der Arbeit selbst, schreiben die Autorinnen und Autoren: Arbeit bedeute, nach einer schweren Erkrankung ein Stück Normalität und Kontrolle über das eigene Leben zurückzugewinnen und wieder einen Beitrag für die Gesellschaft leisten zu können. Wie die Autorinnen und Autoren betonen, sollte psychoonkologische Unterstützung allen von einer Krebstherapie Betroffenen zur Verfügung stehen, sie erleichtere entweder den beruflichen Wiedereinstieg oder sei besonders wichtig, wenn Überlebende nicht zurückkehren könnten, damit sie den Verlust der Arbeit besser meisterten.

Marietta Lieb u. a.: Return to work after cancer: Improved mental health in Working Cancer Survivors. Psycho-Oncology, 2022. DOI: 10.1002/pon.5877

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