Schneller unzufrieden

Menschen, die oft den Job wechseln, sind schneller unzufrieden und übernehmen stärker die Verantwortung für die eigene Karriere.

Jobhopperinnen und Jobhopper sehen ihre Tätigkeit als Stufen der Karriereleiter. © We Are/Getty Images

Manche nennen sie etwas spöttisch „Jobhopperinnen“ und „Jobhopper“: Menschen, die häufiger ihre beruflichen Stellen wechseln als andere. Man unterstellt ihnen einerseits, sie könnten sich nicht gut genug an eine Organisation oder Arbeitgeberin binden. Aber andererseits gelten häufige Jobwechsel auch als Zeichen von gern gesehener Flexibilität. Aber warum wechseln manche den Job schneller als andere?

Es ist laut einer Studie wohl die sogenannte Karriereorientierung: Die einen legen Wert auf überwiegend alleinige Verantwortung für ihre berufliche Weiterentwicklung sowie ihre Zufriedenheit mit ihrer Arbeit, die anderen binden sich stärker an einen Arbeitgeber, schätzen Dinge wie Sicherheit oder Stabilität und mögen es, wenn sie sich nicht ganz allein um ihre berufliche Weiterentwicklung kümmern müssen.

Die Karriereleiter

Die Studie bestätigte: Offenbar sehen manche Menschen die Entwicklung der eigenen Karriere vor allem in den eigenen Händen und für sie hat die Zufriedenheit mit ihrem Job Priorität. Ihre Karriereorientierung wird self-centered genannt. In einer neuen Position sind sie erst einmal deutlich zufriedener als vorher, jedoch fällt diese Zufriedenheit auch rasch wieder ab. Das heißt: Sie passen sich einerseits im neuen Job schneller an, lösen sich aber auch wieder leichter. Sie haben ein Vertrauen in ihre eigenen Fähigkeiten, sich in einen anderen Job einzufinden und sind flexibel. Sie betrachten das Unternehmen, in dem sie gerade arbeiten, als eine von mehreren Stufen, die sie erklimmen, um weiterzukommen.

Vorteile eines festen Jobs

Andere hingegen, sie werden organization-centered genannt, binden sich emotional stärker an eine Arbeitgeberin, wissen zu schätzen, wenn diese sich auch um ihre Karriere kümmert, und profitieren von der Sicherheit und Stabilität eines Jobs. Sie bleiben länger, wissen es zu schätzen, was sie haben und verlassen ein Unternehmen erst, wenn ihre Bedürfnisse nicht mehr erfüllt werden. Ihre Zufriedenheit schwankt, aber nicht so stark wie bei denjenigen, die sich selbst im Fokus haben und sich weniger an der jeweiligen Arbeitgeberin orientieren. Nach einem Jobwechsel sind die organisationszentrierten Beschäftigten ebenfalls zunächst zufriedener, bei ihnen fällt dies aber nicht so stark wieder ab. Langfristig und im Schnitt steigt ihre Zufriedenheit an.

Für die Studie wurden junge Erwerbstätige, die gerade freiwillig ihren Job gewechselt hatten, fünf Mal befragt, am ersten Tag im neuen Job, nach sechs Wochen, drei und sechs Monaten sowie ein Jahr später. Erfasst wurden ihre Zufriedenheit sowohl mit dem neuen als auch dem vorherigen Job, ihre Absichten zu wechseln, ihre Karriereorientierung. In einer zweiten Studie, erneut eine Längsschnittbefragung, gaben mehr als 600 Angestellte zu drei Befragungszeitpunkten Auskunft.

Die zwei Forscherinnen und der Forscher kommen zu dem Schluss: Die Karriereorientierung, also ob Personen stark eigenverantwortlich oder eher am Arbeitgebenden orientiert sind, spielt besonders im ersten halben Jahr in einem neuen Job eine wichtige Rolle dabei, ob die anfänglich hohe Zufriedenheit sinkt und der Wunsch entsteht, erneut zu wechseln oder ob die Zufriedenheit ansteigt und die Vorteile eines Jobs ins Blickfeld rücken.

Wiebke Doden u. a.: Are „job hoppers” trapped in hedonic treadmills? Effects of career orientation on newcomers` attitude trajectories. Journal of Organizational Behaviors, 2022. DOI: 10.1002/job.2665

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