Bessere Beziehung dank Affäre?

Für die Paartherapeutin Esther Perel ist Untreue nicht das Ende einer Beziehung. Wie Paare am besten damit umgehen – und die Motive erforschen.

Nicht nur den Schmerz des Betrogenen betrachten, sondern auch die Motive des Betrügenden. © Frauke Ditting

„Eine Affäre kann eine bessere Ehe erschaffen“

Wer betrogen wird, verliert vieles: Vertrauen, Selbstwert und oft auch die geliebte Person. Das ließe sich ­verhindern, meint die New Yorker Paartherapeutin Esther Perel. Sie macht Mut, ­Untreue nicht als Ende einer Beziehung zu sehen – und erklärt, ­warum auch ­Menschen in glücklichen Beziehungen ­manchmal fremdgehen

Frau Perel, Sie kritisieren, dass der heutige ­Diskurs über Affären in weiten Teilen polarisierend, wertend und kurzsichtig ist. Was meinen Sie damit?

Untreue existiert, seitdem die Ehe erfunden wurde, unabhängig vom Ehemodell. Die Bedeutung, die Affären beigemessen wird, und ihre Auswirkungen haben sich jedoch im Laufe der Zeit verändert. Je romantischer das Modell der Ehe wurde und je mehr die Romantik zu einer Art religiösem Vehikel in eine höhere Sphäre der Sinngebung, der Ganzheit, der Ekstase, der Transzendenz wurde, desto mehr wurde Untreue zum ultimativen Beziehungsverrat. Die Diskussion ist typischerweise verurteilend und simplifizierend. Die vielschichtige, komplexe und systemische Natur der Untreue wird meist nicht thematisiert.

Sie plädieren für eine Perspektive, die mitfühlender und nutzbringender ist. Wie sieht diese konkret aus?

In meinem Buch Die Macht der Affäre versuche ich die Vielfalt an Erfahrungen einzufangen, die mit Affären einhergehen. Dazu gehört, nicht nur auf die Folgen der Untreue, den Schmerz und das Leid des Betrogenen zu schauen, sondern auch auf die Motive aufseiten des Betrügenden. In der gängigen...

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