Die Bedürfnisse des anderen ​

Oft bleiben sexuelle Wünsche in einer Partnerschaft unausgesprochen. Wie wir mit den Tabus in Zukunft gemeinsam besser umgehen.

Sexuelle Wünsche sind vielfältig und werden in der Wirklichkeit nicht immer erfüllt. Dies führt bei Paaren dazu, dass sie unzufrieden sind, was sich auf die Zufriedenheit mit der Beziehung insgesamt überträgt. Psychologinnen und Psychologen stellten jetzt in vier Studien mit mehr als 1500 Teilnehmenden, alles heterosexuelle Paare, fest: Es hilft, wenn einer der Beteiligten motiviert ist, auf die sexuellen Bedürfnisse des anderen einzugehen. Diese Haltung wirkt wie ein seelischer Schutz vor Unzufriedenheit. Die Forscherinnen und Forscher erhoben die sexuelle Zufriedenheit in Beziehungen mit unterschiedlichen Methoden. So ließen sie die Paare Tagebuch führen darüber, wie oft sie Sex hatten, was sie sich wünschten und inwieweit dies erfüllt wurde. Ebenso fragten sie, ob das Gegenüber das Gefühl hatte, die Partnerin oder der Partner gehe auf es ein.

In der Praxis bedeutet das, dass beide Partner eigene Wünsche hin und wieder zugunsten des anderen zurückstellen sollten. Paare könnten, sofern einer offen ist für die Wünsche des anderen, eine Situation schaffen, in der beide Sexualität genießen können.

Rhonda N. Balzarini u.a.: The detriments of unmet sexual ideals and buffering effect of sexual communal strength. Journal of Personality and Social Psychology, 2021. DOI: 10.1037/pspi0000323

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Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 6/2021: Menschen verstehen wie die Profis
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