Sich wieder nah sein

Viele Partner entfernen sich im Laufe ihrer Beziehung voneinander. Die emotionsfokussierte Paartherapie zeigt, wie sie wieder zueinander finden. ​

Die Illustration zeigt ein Paar, das weit voneinander entfernt im Bett liegt, während er sehnsuchtsvoll den Arm nach ihr streckt
Wenn man sich über Jahre bereits das Bett teilt, kann es passieren, dass die ursprüngliche Nähe gänzlich verschwindet. © Luisa Jung

Carol und James hatten sich in über zwanzig Jahren der Beziehung derart miteinan­der verstrickt, dass sie fast jeden Tag über Kleinigkeiten in Streit gerieten. Wenn er sich um fünf oder zehn Minuten von der Arbeit verspätete, brachte Carol das dermaßen auf, dass sie ihn mit Vorwürfen überzog. Nie könne man sich auf ihn verlassen. Daraufhin wurde er ärgerlich. Er tat die Kritik als aufgebauscht ab und verließ im Streit schließlich oft das Haus. So schilderten es die beiden, die in Wirklichkeit anders heißen, dem in den USA lebenden Paar- und Familientherapeuten Volker Thomas.

Dabei war ihre Liebe am Anfang wie bei wohl allen Paaren groß. Doch über die Jahre weitete sich der negative Umgang zwischen Carol und James aus. In vielen Partnerschaften verblasst die Liebe in dieser Weise – schleichend und scheinbar unerklärlich. Vorwürfe und Nörgeleien am Partner, der Partnerin häufen sich. Darüber werden die lieben Worte immer spärlicher und können die Wunden nicht heilen. Distanz schleicht sich in die Beziehung ein. Beide entfernen sich voneinander.

Ob homo- oder heterosexuell – ähnliche Dynamiken

Von einem „negativen Beziehungstanz“ spricht Susan Johnson, emeritierte Professorin für Psychologie an der University of Ottawa. Gemeinsam mit Leslie Greenberg begründete sie in den 80er Jahren die emotionsfokussierte Paartherapie, kurz EFT. Volker Thomas hat sie in den USA mit etabliert. Die EFT begibt sich auf die Gefühlsebene der Paare und regt zu einem anderen Umgang mit den Emotionen an. Sie ist ein integratives Konzept, eines der empirisch am besten bestätigten paartherapeutischen Verfahren und „die einzige paartherapeutische Methode, die eine deutliche Überlegenheit gegenüber anderen Verfahren aufweist“, schreibt der Freiburger Paartherapieforscher Christian Roesler in seinem Buch Paarprobleme und Paartherapie.

Darin vergleicht er verschiedene Ansätze und verweist auch darauf, dass sich die Dynamiken homo- und heterosexueller Paare wahrscheinlich nicht grundsätzlich unterscheiden. Die EFT sei trotz ihrer Wirksamkeit im deutschen Sprachraum noch wenig bekannt. Bislang dominierten systemische Ansätze…

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Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 8/2021: Sich wieder nah sein
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