Flucht vor Intimität?

​Viele junge Erwachsene haben Gelegenheitssex, aber wollen keine Beziehung. Die Entwicklungspsychologin Inge Seiffge-Krenke hat untersucht, warum ​

Ein junges nacktes Paar sitzt lachend vor einer Felswand, während er die Arme um ihre Schultern gelegt hat.
In den 20ern haben viele Menschen ungezwungene Beziehungen. Entgegen kritischer Stimmen lässt sich daraus einiges lernen. © Paul Calver

Eine junge Frau ruft, wenn sie sexuelle Bedürfnisse hat, einen ihrer Freunde an, und der kommt dann vorbei. Ein junger Mann sucht in Onlineforen nach Sexpartnerinnen. Eine Beziehung wollen beide nicht. Diese zwei Beispiele aus der therapeutischen Praxis sind keine Einzelfälle. Die Beziehungen junger Erwachsener, also von Menschen zwischen 18 und 30 Jahren, haben sich in den letzten zwei Jahrzehnten stark verändert: Sie sind durch häufige Partnerwechsel und große Unverbindlichkeit gekennzeichnet – man könnte sie etwas provokativ mit „Sex ja, Liebe nein“ umschreiben.

Das ist eine überraschende Entwicklung, denn sie scheint nicht so ganz zu den Prozessen zu passen, die man in der vorangegangenen Lebensphase beobachten kann, bei Jugendlichen, also etwa 12- bis 18-Jährigen. In dieser Zeit laufen romantische Partner und Partnerinnen den Eltern, den Freunden und Freundinnen bald den Rang ab und werden zur wichtigsten Vertrauensperson. Diese ersten Beziehungen stellen die Basis für Liebesbeziehungen im Erwachsenenalter dar, denn in ihnen lernen die Jugendlichen wichtige Fähigkeiten, um eine Partnerschaft zu führen, unter anderem gemeinsam Konflikte zu lösen und mit negativen Gefühlen umzugehen.

Warum sie das im jungen Erwachsenenalter nicht fortsetzen, ist eine wichtige Frage. Haben wir es noch mit einer „normalen Entwicklung“ zu tun oder liegt vielleicht eine krankheitswertige Beziehungsstörung vor? Um dies zu verstehen, ist es notwendig, sich zunächst mit den…

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Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 10/2021: Zeit finden
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