Wenn Frauen töten

Der Mythos von Frauen. die eiskalt Männer morden, ist Unsinn. Warum sie manchmal trotzdem Morde begehen.

Die Illustration zeigt ein Frau, die in böser Absicht hinter ihrem ahnungslosen Mann steht, der auf dem Sofa sitzt mit seinem Laptop
Wahre Beziehungskiller: Frauen töten zumeist innerhalb der Partnerschaft und Familie © Mario Wagner

In der Nacht vor der Tat versteckt sich die 31-jährige Krankenschwester wieder einmal hinter der Rückbank des Jeeps ihres Mannes. Sie bekommt mit, wie ihr Gatte die Brüste einer zugestiegenen Frau liebkost. Die beiden reden auch über eine gemeinsame Zukunft. Die Ehefrau hatte bereits vorher gute Gründe, ihm zu misstrauen. Schon zu Beginn ihrer Beziehung fand sie heraus, dass er immer noch oft bei seiner früheren Freundin übernachtete. Sie heiratete ihn trotzdem. Einmal fand eine ihrer kleinen Töchter im Geldbeutel ihres Papas ein Nacktfoto einer früheren Freundin von ihm. Um seine Familie kümmert der Mann sich wenig. Es ist kaum Geld da, aber er fährt ein teures Auto. Einmal war er monatelang kaum da und nicht erreichbar. Sie trennte sich von ihm – und kehrte zu ihm zurück.

Am Morgen nach der Nacht hinter der Rückbank setzt die Ehefrau eine schwarze Perücke auf, wartet stundenlang vor dem Haus der anderen hinter einem Gebüsch und zwingt sie dann mit vorgehaltener Pistole, mit aufs Land zu fahren. Auf einem Feldweg lässt sie ihr Opfer einen Abschiedsbrief an ihren Mann schrei­ben. Dann verabreicht sie der Rivalin starke Schlafmittel, stülpt ihr eine Plastiktüte über den Kopf und schießt schließlich auf die Geliebte ihres Mannes, die hilflos in der Wiese liegt. Die Frau überlebt nur, weil ein Bauer sie schnell findet.

Der psychiatrische Gerichtsgutachter Professor Michael Soyka, der den Fall in seinem Buch Wenn Frauen töten schildert, attestiert der Täterin „eine psychische Ausnahmesituation mit starkem Affektdruck“. Das Gericht dagegen sieht zwar eine gewisse psychische Beeinträchtigung, aber keine...

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Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 1/2020: Bilder der Kindheit
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